La Gomera - der Traum des Aussteigers

16.09.-30.09.2006

Anflug auf Teneriffa-Süd kurz nach Sonnenaufgang, der Teide schaut linker Hand aus der Wolkendecke hervor und strahlt golden in der Morgensonne. Wow, das fängt ja schonmal gut an. Am Flughafen wartet schon die hälfte meiner Reisegrupe, es geht mit dem Sammeltaxi zum Hafen in Los Christianos und fahren dann mit der Fähre nach San Sebastian auf La Gomera. Hier sind keine Delfine in Sicht, dafür warten am Hafen Carlos auf uns, der uns in seinem "Diskotaxi" zum Valle Gran Rey quer über die Insel fährt. Leider bekomme ich von den ersten Landschaftseindrücken nicht viel mit, denn ich schlafe fast sofort ein. Der frühe Abflug (4:05 Uhr) macht sich halt doch bemerkbar.

Als ich mich dann aber im Ort umschaue, bin ich begeisert. Wir wohnen in einem kleinen beschaulichen Hotel in Calera, es scheint direkt in den Hang hinein gebaut worden zu sein und breitet sich eher in die Höhe als in die Tiefe aus. Die Dachterasse bietet einen fantastischen Meerblick und um das Hotel herum gibt es viele kleine malerische Gassen.



Nach einem ausführlichen Stadtrundgang machen wir im Kleinbus eine Inselrundfahrt. Da gibt es nur ein Problem: Auf dieser Insel führt so gut wie keine Strasse länger geradeaus und das ständige herumgekurve führt nicht nur bei mir schnell zu Übelkeit. Aber wir steigen oft aus und betrachten spektakuläre Aussichtspunkte, machen eine erste kleine Wanderung im Nebelwald und besichtigen das Besucherzentrum.



Wir kehren in El Cedro ein und essen das, was man hier überall bekommt: Kressesuppe im Holzbottich und frisch gepressten Orangensaft. Leckerlecker...

         



Am nächsten Tag folgt das, wovor ich bei dieser Reise am meisten Bedenken hatte: Mountainbiken. La Gomera ist sehr bergig und mein Sportprogramm diesen Sommer etwas dürftig, ich bin also etwas skeptisch. Aber alles halb so tragisch: Wir werden mit den Bikes zum Laguna Grande hochgefahren, von dort aus geht es noch etwas auf und ab, was aber auch nicht so ganz locker ist, aber durchaus zu schaffen. Wir besichtigen einige Kirchen und eines der Töpferdörfer (El Cercado), wo die Frauen nach alter Tradition Töpferware ohne Drehscheibe herstellen.



nach der Mittagspause geht es weiter. Es folgen immer wieder spektakuläre Ausbliche auf Terassenlandschaften, von denen die ersten schon von den alten Guanchen anbelegt wurden, vorbei an kleinen Friedhöfen (Zitat Carlos: "Last Apartment"), die immer etwas außerhalb des Ortes liegen. Keiner weiß genau warum, daher unken wir, dass die Gomeros halt lange Prozessionen lieben...



Zum Abschluß fahren wir in Arure noch am Mirador Ermita del Santo vorbei, hier bitet sich uns ein fantastischer Ausblich auf ein tief gelegenes Tal mit einer kleinen Ortschaft, die nur per Boot erreicht werden kann, oder über eine recht beschwerliche 2-stündige Wanderung. Man könnte auch La Palma und El Hierro sehen, hat man aber nicht da es diesig war. Überhaupt: Dieser Satz wird mich die ganzen 2 Wochen begleiten : "Da düben könnte man jetzt La Palma/El Hierro/Teneriffa sehen, wenn die Wolken nicht wären..."



Vom Hotel aus geht es erst durch Calera durch zu einem nahegelegnen Wasserfall, der in der Trockenzeit September aber eher ein Wasserfällchen ist. War trotzdem sehr schön, mit vielen Klettertouren verbunden und netten Palmenhainen.

 

   

Und dann wurde es erst: Die "große" Mountainbiketour. Von Laguna Grande aus ganz hoch auf den Garajonay und dann ein ganzes Stück bergab durch das Gelände. Also nicht nur einfache Schotterwege, sondern auch richtige Spurrillen und Schlaglöcher. Inser MTB-Guide Mike hat vorher noch erläutert, dass Geschwindigkeit ja stabilisiert und so manches mal heize ich mit klopfenden Herzen über Steine und Schlaglöcher, das Rad springt hin und her, einmal nehme ich noch einen kleinen Busch mit, aber es funktioniert!



Wir haben eine rasante Abfahrt nach Playa de Santiago, von wo aus wir mit der Fähre zurück ins Valle Gran Rey fahren werden. Voher trinken wir noch - wie so oft - einen frischgepressten Zumo in einem "Saftladen" und beobachten die einheimischen Kanarios, die am Tisch neben uns Siesta machen, Dorada-Bier trinken und lautstark diskutieren.

         



Darauf hatte ich mich mit am meisten gefreut: Die Wal- und Delfinbeobachtungstour. Momentan ist so überhaupt keine Jahreszeit für Wale, aber es werden uns viele Delfine versprochen. Und tatsächlich, aufeinmal sind sie da! Erst noch etwas weiter entfernt und wir sehen nur Rückenflossen, aber 2 oder 3 mal springt einer dann richtig weit aus dem Wasser hervor und einer begleitet uns ein ganzes Stück unter dem Boot. Ina und ich hängen gefährlich weit uber Bord unseres kleinen Fischerboots und freuen uns ein Loch in den Bauch. Meine Fotos waren zwar weniger erfolgreich, da ich die Rückenflossen immer nur winzig klein in den Sucher bekommen habe oder nur ein paar unscharfe Wasserspritzer. Aber egal! Zum Schluß fahren wir noch etwas an der spektakulären Küste entlang. So eine Vulkaninsel ist ja doch anders as das Mittelmeer.



Und wieder eine Wanderung: Vom Hotel aus geht es durch das Barranco immer steil bergauf bis nach Arure, insgesamt über 1000 Höhenmeter. Das war ganz schön anstrengend, vor allem da die Sonne erbahmungslos vom Himmel knallte, aber die Ausblicke waren fantstisch und das Erfolgserlebnis dann oben zu stehen unbeshreiblich.

         



Abends laufe ich dann mit schmerzenden Waden noch etwas durch den Ort. Die Hippies sind vor etwas 2 Jahren von der Polizei leider durch massive Razzien verjagt worden, aber einige wenige gibt es noch und es finden vereinzelt abends am Strand Trommel-Sessions statt.



Wir probieren da abends nach dem Essen lieber nochmal den frisch gelernten Salsa aus. Da ich mich dem Salsa-Tanzkurs verweigert habe und mit Hans-Georg bei einer Flasche Rotwein lieber über das Leben in all seinem Facetten philosofiere gucke ich nur zu. Statt dessen bringen wir zum Abendessen philosofische Zitate, die aber leider nicht so richtig verstanden werden. Aus "Liebe ist gut, Liiebe ist kompliziert und scheitert meistens an sich selbst" ernten wir nur unverständliche Blicke. Wir beschränken uns danach auf geklaute Zitate und können uns aber nicht so recht zwischen "LoveLoveLove (Beatles), "We are one but we are not the same" (U2) und diversen anderen entscheiden.

    

Und dann startet die große 2-Tageswanderung. Mal wieder von Laguna Grande aus geht es nochmal auf den Garajonay hoch, aber Teneriffa versteckt sich schon wieder hinter einer Wolkenwand. Also nicht viel neues dort oben. Wir laufen weiter, der gepackte Rucksack wird mit der Zeit doch etwas schwer, aber mit der Zeit beschweren meine Schultern sich gar nicht mehr.

Gegen Ende der Wanderung wurde der Weg etwas holprig. Oft sind die Wanderwege hier nur in den Fels gehauene Stiege die mit Steinen unterschiedlichster Größe ausgelegt werden, man muss also ständig schauen, wo man seine Füße hinsetzt. In Imada angekommen, genehmigen wir uns in der einzigen Bar des Dorfes ein leckeres kaltes Bier und schauen uns die einheimischen Kinder an, die uns wiederum neugierig beobachten. Einige von uns ziehen noch weiter, um sich den großen alten Drachenbaum anzuschauen, aber das ist mir jetzt doch keine 2-stündige Wanderung mehr Wert. Ich trinke lieber noch ein Bier.



Wir übernachten auf einem Kartoffelacker und bauen vor dem Essen noch die im Ort deponierten Zelte auf. Um zum "Zeltplatz" zu gelangen, müssen wir über die Veranda eines Hauses laufen, aber das scheint die Leute nicht zu stören. Die Aussicht ist wieder einmal fantastisch (ich kann mich da nur wiederholen).

   

Danach duschen wir (die Frauen sind mal weder schneller als die Männer) und bekommen in der Dorfkneipe ein recht einfaches Essen seviert, aber es ist o.k. Dafür ist der Rotwein sehr lecker. Erst schauen wir mit den Gomeros zusammen Fußball, es spielt Barcelona gegen Werder Bremen und bemerkenswert ist ja, dass in der einzigen und recht simplen Dorfkneipe der größte Flachbildschirm hängt, den es auf der Insel zu kaufen geben dürfte. Dann organisiert Martin eine Gitarre und wir singen zum Rotwein lustige Lieder, halt alles was uns gerade einfällt. Die Gomeros schauen etwas amüsiert von der Seite. Irgendwann wird die Bar dann geschlossen und wir stolpern über die Veranda zu unseren Zelten. Der Sternenhimmel ist der Wahnsinn, Andreas hat noch eine Flasche Rotwein mitgenommen und wir trinken bei Gitarrenmusik weiter und ich schlafe irgentwann ein.

      

Die Nacht ist kurz, aber Mike wegt uns erbarmungslos kurz nach Sonnenaufgang um 8 Uhr. Die Landschaft in der Morgensonne strahlt und wir bauen die Zelte ab und frühstücken. Die Rotweinrechnung erschreckt uns etwas, aber eigentlich nur kurz. Aufeinmal schieben sich die Passatwolken über die Bergkuppen und wir wandern los, bergab in Richung Playa Santiago. Wir kommen durch einen Barranco, der schon eher als Schlucht zu bezeichnen ist. Der Wanderweg ist holprig uns steinig, aber der Blick sehr spektakulär. Ich würde mal sagen, dies ist für mich die beeindruckenste Wanderung, die ich je gemacht habe.



Ach ja, und jeder schöne Urlaub geht einmal vorbei. Schonwieder sind zwei Wochen um und wir sitzen ein letztes Mal am Strand, trinken den letzten gomerischen Rotwein und schauen ein letztes Mal über den Atlantik zu den Lichtern von El Hierro. Auch wenn Martin keine Gitarre mehr auftreiben konnte werden wir bei Kerzenlicht etwas melancholisch. Kann auch am Rotwein liegen, war da nicht noch eine Flasche? Man munkelt von späteren Yogaübungen am Strand bei den es zu leichten Muskelzerrungen kam...



Reiseveranstalter: Activida-Tours