Mexiko - Tierra del Sol

19.03.2006-12.04.2006

So, nun also Mexiko. Schon die Ankunft ist etwas merkwürdig. Kerstin und ich landen pünktlich zum Sonnenuntergang in Mexico-City und brauchen dann erst mal ewig für die Passkontrolle. Den Menschenmengen nach sind mindestens fünf Flieger gleichzeitig gelandet und alle werden von völlig ungerührt scheinenden Mexikanern, die auch kein Wort Englisch sprechen abgefertigt. Danach müssen wir noch Geld wechseln, geht bei mir auch ganz problemlos, als Kerstin direkt nach mir wechseln will, ist angeblich die Maschine kaputt. Wir staunen. Mit dem Taxi fahren wir dann ins Hotel und der Taxifahrer fährt durch Gegenden, bei denen ich jederzeit erwarte, dass die Tür aufgerissen und wir ausgeraubt werden. Brennende Mülltonnen, Prostituierte auf dem Bürgersteig... Kerstin und ich kommen völlig erledigt auf unserem Hotelzimmer an und schlafen ziemlich schnell ein.



Tourstart.
Wir lernen unsere Reisegruppe für die nächsten drei Wochen kennen. Für eine internationale Reisegruppe sind wir diesmal sehr deutschsprachig, was unseren Tourguide gelegentlich etwas verzweifeln ließ. Aber am Ende der Reise konnte er auf Deutsch bis fünf zähle und „Hallo. Wie geht es Dir“ sagen.

Unser erster Tourtag fängt auch schon interessant an. Wir sind noch keine 10 Minuten gefahren und noch mitten in Mexico-City, da wird an einer Ampel unser Van von zwei Polizisten angehalten (wegen nichts eigentlich), wollen von Matt den Führerschein sehen und er soll mal hinter der Kreuzung rechts ranfahren. Gerade eben hat er uns davon erzählt, dass die mexikanische Polizei gerne enorme Strafgelder von Touristen abkassiert, hier bekommen wir den Beweis geliefert. Matt fährt aber nicht rechts ran sondern einfach weiter, der Führerschein war nur eine Kopie, die können sie gerne behalten.



Acayucan.
Unser erster Stop führt uns nach Acayucan, einer Kleinstadt südlich von Mexico-City. Ich glaube die sehen dort nicht so oft Europäer, als wir durch die Strassen laufen frage ich mich, ob nicht eher wir die Attraktion für die Mexikaner sind als umgekehrt. Egal, auf jedenfall sehen wir viele interessante Sachen auf den Strassen, die für mich alle so neu und anders sind. Es ist alles recht chaotisch und doch total entspannt dabei, sehr angenehm.Abends gehen wir essen in einem Imbiss, in dem nebenbei der Fernseher läuft mit einem recht bunten Programm. Ich esse Enchiladas mit scharfer Soße und trinke Corona und merke, wie ich langsam ankomme.

La Venta.

Am nächsten Tag sind wir im La Venta Park, einem Gelände auf dem in einem tropischen „Park“ lauter historische Ausgrabungstücke ausgestellt sind, u.a. die gewaltigen Olmekenköpfe. Dazu gehört auch ein kleiner Zoo mit einheimischen Tieren, da haben es mir ja besonders die Vögel angetan.



Danach fahren wir weiter nach Palenque und zelten auf einem Campingplatz, der mitten im Regenwald liegt. Traumhaft schön. Nur die sanitären Anlagen sind etwas grenzwertig und sollen sich im nachhinein als die schlimmsten des ganzen Trips herausstellen. Toiletten und Duschen sind nur mit einem speckigen Plastikvorhang abgetrennt, der sich gerade beim Duschen gerne an den Körper klebt. Und auf der Toilette laufen riesige Kakerlaken um meine Füsse. Und von Klobrillen scheinen die Mexikaner sowieso noch nichts gehört zu haben, aber was solls, ich bin in Mexiko. Nachts hören wir merkwürdige laute Geräusche, die mich etwas an balzende Katzen erinnern, es sind aber Brüllaffen, die im Regenwald leben und nachts halt rumbrüllen. Keine Ahnung warum.



Palenque.
Dann die Ruinen von Palenque. Sie liegen in einer wunderschönen Kulisse mitten im Regenwald, ein großer Teil dieser Stadt ist auch immer noch vom Regenwald bedeckt. Wir haben einen einheimischen Guide José, der uns herumführt und alles erklärt. Die alten Mayas haben mit Dornen eines bestimmten Baumes den Göttern Blutopfer dargebracht, indem damit die Zungen der Frauen und die Penisse der Männer durchstochen werden. Brrr, erinnert mich sehr an Piercing, und das mag ich auch nicht. Wir klettern auf den Pyramiden herum und geniessen die Aussicht, ich könnte Ewig hier sitzen!Wir lunchen auf dem Parkplatz, wo viele Einheimische ihre Stände haben und ihre Tourisouveniers und Getränke verkaufen wollen. Jedesmal wenn jemand vorbeiläuft rufen sie „Water! Coca Cola! Water! Coca Cola!“ Sie sind da sehr hartnäckig.


Nachmittags machen wir eine Dschungelwanderung. Bei der Luftfeuchtigkeit und den Temperaturen ganz schön schweißtreibend. Mir wird klar, dass ich die ganze Zeit auf noch nicht ausgegrabenen Ruinen herumlaufe, was ich sehr beeindruckend finde. Denn eigentlich bin ich ja mitten im Regenwald... Ich esse Ameisen, die nach Karotten schmecken, vor den Schnecken aus dem Fluss schrecke ich dann doch zurück. So abgebrüht bin ich noch nicht.



Wir fahren nach dem Trekking noch zum Misaol-Ha Wasserfall und ich versuche so dicht wie möglich an den Wasserfall heranzuschwimmen. Die Gischt spritzt aber sehr und sticht wie 1000 Nadelstiche ins Gesicht, so dass ich wieder aufgebe. Ich geniesse einfach nur den Blick auf dieses traumhaft schöne Stück Erde. Wegen der Trockenzeit ist der Wasserfall nicht so üppig, aber ich finde ihn trotzdem beeindruckend.



Uxmal.

Weiter Richtung Yucatan zud en Ruinen von Uxmal. Die Vegetation verändert sich hier merklich. War in Palenque alles tropisch und bergig, ist es hier eher trocken und flach. Wir zelten auf einem Campingplatz in dem hinreissenden Ort Santa Elena, ein Dorf wie ein mexikanisches Klischee. Kleine und holprige Gassen, bunte Häuser und gemächlichen Treiben auf dem Zocalo. Dazu eine mächtige Kirche die auf einem Hügel über dem Ort trohnt. Die sanitären Anlagen auf diesen Campingplatz sind gar nicht sooo schlimm (oder bin ich mittlerweile nur schon abgebrüht?), allerdings sind die Wände der Toilettenkabinen von kleinen Fröschen besiedelt. Bevor ich hier mein „Geschäft“ verrichte, erzähle ich ihnen immer, sie sollen mir nicht in den Nacken springen. Und ich fühle mich etwas beobachtet. Ausserdem sind die Toileten hier auf die kleinen Mexikaner zugeschnitten. Ich weiß nicht wohin mit meinen langen europäischen Beinen und muss die Klotür aufstehen lassen, sonst passt es nicht.



Die Ruinen von Uxmal sind ganz anders als die, die wir schon gesehen haben. Andere Steine und viel kunstvoller bearbeitet. Da die Touristenzentren noch weit entfernt sind, ist hier auch sehr wenig los, nur eine Schulklasse läuft uns immer wieder über den Weg. Unser Führer erzählt uns, dass es erst seit 5 Jahren in Mexiko ein Programm gibt, dass alle Schulkinder die alten Ruinen besuchen sollen. Dadurch sollen sie ihre Vergangenheit kennenlernen, denn die Mayasprache und –kultur gerät in Vergessenheit. Viele Mayanachkommen legen sich spanische Nachnamen zu, da sie hoffen dadurch von der Regierung oder auch einfach ihren Mitmenschen besser behandelt zu werden. Ob das wirklich funktioniert? Ich weiß es nicht.



Wir fahren weiter und gehen in einer abgelegenen kleinen Cenote schnorcheln. Ich habe etwas Beklemmungen in einer unterirdischen Höhle schwimmen zu gehen, aber die Neugierde siegt dann doch. Das Wasser ist sehr klar und sehr blau und man sieht deutlich, wie es an der einen Seite der Höhle ganz tief in die Erde hinabgeht. Das ist sehr faszinierend, aber auch etwas gruselig. Ich werde immer unruhig, wenn ich beim schwimmen nicht mehr weiß was unter mir ist.


Merida.
Meinen ersten Nachmittag in Merida verschlafe ich, mein Gott bin ich müde. Abends gehen wir im „Poncho“ essen, einem touristischen Restaurant mit sehr leckerem Essen. Die Kellner tragen Goucho-Look mit Patronengürteln, die mit Korken bestückt sind. Es gibt 2 Cocktails zum Preis von einem und eine Feuershow mit dem Nachtisch, satt und zufrieden gehe ich wieder ins Bett.



Am nächsten Tag ist Touri-Programm angesagt. Diese Stadt ist ganz schön chaotisch. Erst schauen wir uns die Kathedrale an, was noch recht beschaulich ist. Dann laufen wir etwas durch die Straßen. Es ist Samstag und es ist rappelvoll. Die schmalen Bürgersteige sind mit Menschenmengen überfüllt und aus jedem Geschäft dröhnt laute Musik, als ob ein Laden den anderen übertrumpfen will.



Wie gehen auch noch in die Markthallen, die etwas speziell sind. Vor allem die Fleischabteilung. Da hängen komplette gerupfte Hühner, manchmal auch geköpft und gelegentlich auch aufgeschnitten mit herausgezogenen Gedärmen, damit man sich auch genau angucken kann, wie frisch das Huhn ist. Mein erster Reflex war, dies zu fotografieren, aber dann habe ich mich gefragt, wer das denn wirklich sehen möchte. Ich habe meine Kamera wieder eingesteckt.



Chichen Itza.

Wir stoßen in das Herz von Yucatan vor und fahren ins Landesinnere nach Chichen Itza. Die Vegetation ist hier wieder ganz anders als in den Bergen, viel trockener und eintöniger. Die Ruinen von Chichen Itza sind auch von den Badeorten der Karibik gut innerhalb eines Tagesausfluges erreichbar, was sich in den Menschenmengen bemerkbar macht, die hier unterwegs sind. Leider kommen wir (mal wieder) auf die große Pyramide wegen Renovierungsarbeiten nicht hinauf, aber unser angeheuerter Guide läuft mit uns über das riesige Gelände und erklärt uns alles. Er zeigt uns auch Bilder, wie die Mayas früher bei den neugeboreren Kindern mittels Holzplatten die Köpfe verformt haben, damit sie dem Schönheitsideal entsprechen. Sie haben sich auch Jadesteine in die Schneidezähne einsetzen lassen und die Kinder schielen lassen, sehr gruselig.



Abends ist dann noch Light-Show. Die Pyramiden werden bunt bestrahlt und irgendeine Geschichte auf spanisch erzählt, die ich mangels Spanisch-Kenntnisse leider nicht verstehe. So liege ich irgendwann im Gras, nehme die Stimmung in mich auf und beobachte den klaren Sternenhimmel (Habe mich gleich nach diesem Urlaub zu einem Spanisch-Kurs angemeldet).

Unterwegs.
Mein Gott, ist mir schlecht. Irgendwo muss ich mir ganz fürchterlich den Magen verdorben haben, habe letzte Nacht schon neben das Zelt gekotzt. Habe es gerade noch raus geschafft. Kerstin hatte schon Angst um ihre Schuhe, die da irgendwo im Dunkeln herumlagen. Eigentlich ging es mir danach auch besser aber auf der Fahrt Richtung Karibikküste schlägt mein Magen Saltos. Ich bemitleide mich selbst sehr, will nie wieder verreisen und überlege mir, das Urlaub zuhause doch eigentlich auch ganz schön ist. Da kann ich mich wenigstens in mein Bett legen und die Decke über meinen Kopf ziehen wenn ich krank bin. Nach reichlicher Überlegung komme ich zu dem Schluss, dass nur der geeiste Mangosaft aus Chichen Itza an meinem Zustand Schuld sein kann. Unsteriles Eis!!!



Wir machen eine Mittagspause am Strand von Cancun, wo ich an einem Stück Gurke knabber und mich wieder etwas mit der Welt versöhne. Ich sehe das erste Mal die Karibik, ich wusste gar nicht, das Wasser so dermaßen Blau und Türkis sein kann. Ich bin sehr beeindruckt. Cancun selbst ist der Albtraum eines jeden anspruchsvollen Urlaubers (behaupte ich jetzt mal so). Ein schrecklicher 70-Jahre Hotelbau neben dem anderen, das war es eigentlich schon. Wir fahren dann weiter nach Xpu Ha, wo wir die nächsten vier Tage verbringen werden.

Xpu Ha.
Der Traumstrand von Xpu Ha. Sprich: "Schpu Ha". Der Hurricane aus dem letzten Herbst hat leider die meisten der Palmen zerrissen, aber macht nichts. Kleine neugepflanzte Baby-Palmen stehen neben den wenigen zerrupften übriggebliebenen, der Sand ist schneeweiss, das Meer knallblau, die Möwen kreischen und sonst: Nichts. Ich liege in der Sonne, lasse die Seele baumeln und blinzel in den blauen Himmel. Ich habe kurz überlegt ob ich vielleicht eine Schnorcheltour durch eine große Cenote mitmache, entscheide mich dann aber für die Entspannung und lasse die Eindrücke der letzten Tage Revue passieren. Wir haben schon soviel erlebt und gesehen und haben auch noch soviel vor uns!



Am nächsten Tag haben wir einen Segeltörn zur Isla Mujeres gebucht. Zumindest glauben wir das. Als wir in Cancun im Hafen ankommen, liegt da ein kleines Fischerboot und wir denken erst noch: “O.K., das ist das Taxiboot zum Segelschiff“, aber dann fährt das Taxiboot mit uns los, und fährt und fährt... Dieser Kutter IST unser Segelschiff. Da gab es wohl ein kleines Kommunikationsproblem. Die Gischt spritzt, wir werden alle klatschnass und sind erst ziemlich nölig. Nachdem wir dann an einem nettes Strand lagen und bei der Weiterfahrt vom Kapitän mit Tequila mit Lemon abgefüllt werden, sind wir schon wieder etwas versöhnt. An einem Strand wird uns noch ein extrem leckerer Fisch gegrillt, spätestens da finden wir den Trip alle total super. Wir gehen auch noch schnorcheln, zwar sind hier nicht die aufregensten Korallenriffe zu bewundern, aber es sind reichlich bunte Fische da und es ist einfach schön.Vorher schauen wir allerdings noch kurz an einem Becken vorbei, in dem mehrere Haie gehalten werden. Betrunkenen Touristen können gegen Geld in das Becken hinabsteigen und sich mit dem Hai im Arm fotografieren lassen. Mir tut der Hai nur leid und ich gehe recht schnell wieder.

 


Tulum.
Heute heißt es Abschied nehmen von der Karibikküste. Vorher schauen wir noch in Tulum vorbei, einer Ruinenanlage, direkt am karibischen Strand. Die Szenerie ist traumhaft, die Ruinenanlagen selbst sind nicht so überzeugend. Ich habe auch den Eindruck, als wenn die meisten Touristen eher zum Baden hierher kommen und nicht, um sich die historischen Gemäuer anzuschauen. Am Eingang gibt es noch im fünf-Minutentakt Touriattraktionen geboten. Früher dregte sich der Flötenspieler nur ein- oder zweimal im Jahr, jetzt täglich gleich mehrmals.



Gegen Mittag fahren wir weiter nach Bacalar, einem kleinen Ort der an einer Lagune liegt. Wir machen eine Bootsfahrt über die Lagune, trinken Sol und schauen uns den Sonnenuntergang an. An einer seichten Stelle gehen wir noch schwimmen, was ganz praktisch ist, da die Duschen hier so indiskutabel sind, dass wir sie nicht benutzen wollen.



Abends sitzen wir nach dem Essen noch zusammen und werden die ganze Zeit von schrecklichster Techno-Musik beschallt. Erst wundern wir uns, wo sie herkommt, da der Ort eigentlich so winzig ist, dass er keine Disko haben kann. Irgendwann werden wir neugierig und da wir uns den Lärm sowieso anhören müssen, gehen wir einfach rüber. Und tatsächlich: Direkt neben unserem Campingplatz ist eine Disko! Wir bezahlen Eintritt und bekommen zur Begrüßung Tequila eingeschenkt. Ich schaue mich um, der Laden ist noch sehr leer, es ist aber auch noch früh. Die Mädels die da sind, sind recht aufgebrezelt und Cowboyhüte scheinen hier der letzte Schrei zu sein. Wieder scheinen wir Europäer die Attraktion für die Mexikaner zu sein statt umgekehrt, ich fühle mich sehr beobachtet. Außerdem stehe ich in einem Outfit in einer Disko, in dem ich zuhause nichtmals über die Straße zum Kiosk gehen würde (verdreckte Shorts, verdrecktes T-Shirt und Badeschlappen, wie man halt nach fast 2 Wochen Camping aussieht). Wir trinken noch ein paar Tequila und haben unseren Spaß, dann schleiche ich in mein Zelt zurück.

Chiapas.

Wir überqueren die Grenze von Yucatan zu Chiapas und schlagartig werden die Strassen wieder richtig schlecht. Und wie in ganz Mexiko gibt es hier eine mexikanische Besonderheit: Topes! In jedem kleineren Ort gibt es mindestens 20 Topes, bei uns würde man sie wahrscheinlich „verkehrsberuhigende Maßnahmen“ nennen. Fiese Huckel auf der Strasse, die man nicht immer sofort sieht und wenn man zu schnell drüberfährt denkt man, dass Steißbein stößt jeden Moment an die Schädeldecke. Sehr unangenehm. Außerdem gibt es in Chiapas wieder massenhaft Armeestationen die verdächtige Autos anhalten und durchsuchen, denn wir sind im Land der Zapatisten. Unser Van schein höchst verdächtig zu sein, wir werden sehr oft angehalten. Heute durchwühlen sie sogar ein paar unserer Rucksäcke. Aber wir kennen das ja schon und nehmen es gelassen.



Wir fahren weiter durch einsames Land nach Calakmul, einer Ruinenstadt mitten im Dschungel. Von einer etwas größeren Straße aus geht eine kleine Stichstraße 40 km in den Dschungel bis zu einer kleinen Straßensperre mit einem Wächterhäuschen, hinter dem wir zelten werden. Ich glaube, der Wächter hat den einsamsten Job der Welt. Was macht er hier den ganzen Tag? Mehr als 10 Touristen die Woche scheinen hier nicht zu kommen.

Der „Campingplatz“ ist einfach ein kleines Fleckchen mitten im trockenen Dschungel mit prmitivsten Plumpsklo. Als ich später am Abend anmerke, dass dieser Patz mich an „Blair Witch Projekt“ erinnert mache ich mir damit keine Freunde. Etwas panisch laufen wir die 20 Meter von der Küchenhütte zum Zelt, ohne Taschenlampe würden wir uns auf diesen kurzen Stück schon hoffnungslos im Wald verirren, so dunkel ist es hier.



Um 4 Uhr morgens stehen wir schon wieder auf und fahren noch ein ganzes Stück weiter in den Urwald hinein um auf die Ruinen zu klettern und uns den Sonnenaufgang anzuschauen. Leider ist es bewölkt und wir sehen die Sonne nicht, aber es wird hell und mit einem Mal wacht der Wald auf. Wir hören nichts als das Geschrei der Vögel, das alleine ist schon sehr überwältigend.



Agua Azul.
Wir fahren weiter Richtung Agua Azul. Hier geht es wieder in die Berge hinein mit ihrer üppigen tropischen Vegetation. Es steht weiterhin viel Militär auf der Straße, manchmal schauen sie nur kritisch in den Wagen hinein oder kontrollieren die Pässe, manchmal muss Matt auf das Autodach klettern um zu zeigen, dass dort oben tatsächlich nur Koffer und Campingausrüstung liegen. Kurz vor Agua Azul stehen viele der Indianerfrauen am Straßenrand und wollen Maisfladen und Obst verkaufen, teilweise sehr hartnäckig. An einer Stelle habe sie ein Seil über die Straße gespannt damit wir nicht weiterfahren können und um den Wagen herum stehen Frauen und Kinder, klopfen an die Fensterscheiben und wollen uns was verkaufen. Matt muss erst aussteigen und schimpfen, damit sie uns weiterfahren lassen.

Die Wasserfälle von Agua Azul sind himmlisch. In mehreren Kaskaden stürzt türkisblaues Wasser einen Berg hinunter, es ist Sonntag und viele Mexikaner machen hier einen Familienausflug. Wir setzten uns in eine Bar und trinken Corona und es kommen etliche von kleinen Maya-Kindern mit Töpfen auf dem Kopf vorbei, die uns was zu essen verkaufen wollen. Sie sind sehr frech und hartnäckig, sie beschwatzen Sylvia, kraulen ihr den Rücken und klauen am Nachbartisch einem Mann das Fleisch vom Teller und reden auf ihn ein. Als wir abends direkt neben den Wasserfällen unsere Zelte aufgebaut haben und kochen, kommen einige Kinder vorbei und schauen uns staunend zu. Mir bleibt das Essen fast im Halse stecken, so sehnsüchtig ist der Blick. Wir geben ihnen auch etwas von unseren Huhn mit Reis und Ananas-Tomatensoße ab, so etwas haben sie wahrscheinlich noch nie gegessen. Das dreckige Geschirr waschen sie sogar noch im Fluß ab, bevor sie es uns wiederbringen. Dabei sehen sie eigentlich gar nicht unterernährt aus, aber etwas anderes außer Mais und Obst dürften sie selten bekommen.



Unter dem Sternenhimmel gehe ich noch schwimmen. Ich liege in einem der natürlichen "Whirlpools" des Wasserfalles und schaue mir die hellen Sterne an, es ist alles so friedlich und ich bekomme eine Gänsehaut.

San Christobal de las Casas.
Auf dem Weg nach San Christobal fahren wir durch Gegenden, die mich etwas an die Alpen erinnern. Wären da nicht immer wieder am Wegesrand die bunt bekleideten Indio-Frauen mit ihren langen schwarzen Zöpfen die irgendwohin laufen. San Christobal ist eine sehr hübsche Stadt mit vielen kleinen bunten Häusern, sehr vielen Kirchen und schmalen Gassen. Wir bummeln etwas herum, kaufen Souveniers und lassen uns treiben.



Einen Tag machen wir eine Tour durch die Indianerdörfer und besuchen das Haus eines "Spirit Leaders" und gehen in eine Kirche, was wieder Gänsehaut verursacht. So wirklich katholisch sind die Indianer hier nicht, die haben den katholischen Glauben der Spanier kräftig mit ihren alten Glauben vermischt. In der Kirche gibt es keine Bänke, auf dem Fußboden stehen tausende von Kerzen und sitzen viele Menschen, wir sehen sogar wie Hühner, Eier und Coca Cola geopfert werden. Mexiko ist neben der USA der größte Cola-Abnehmer, unser Guide Cesar erzählt uns, das eine Theorie dafür die wäre, dass man ja durch die Kohlensäure in der Cola aufstoßen muss und dadurch entweichen die bösen Geister im Körper. Daher der hohe Cola-Verbrauch.



In einem anderen Dorf besuchen wir eine Familie, die vom Weben lebt. Die Häuser sind sehr einfach und gekocht wird auf dem offenen Feuer. Sie leben als Großfamilie mit 14 Personen unter einem Dach und ernähren sich von der Weberei. Die Männer scheinen hier keine wichtige Rolle zu spielen, das häusliche Leben wird alleine von den Frauen bestimmt.



Sumidero Canyon.
Wir machen eine Motorbootfahrt durch den Sumidero Canyon, leider in der prallen Mittagssonne. Ich verbrenne mir auch gleich die Nase. Dafür sehen wir beeindruckend hohe Felsen, Affen, Vögel und sogar richtig große Krokodile.



Oaxaca.
Erstmal langer Fahrtag durch die Hochebenen von Mexikos Bergen. Die Landschaft ist hier wieder viel trockener, und wir kommen schon an vielen Agavenfeldern vorbei, schließlich wird hier Mezcal gebrannt (der mit dem Wurm in der Flasche). Abends in Oaxaca angekommen gehen wir noch in einer sehr coole Bar mit Live Musik. Die Szene scheint hier etwas anders zu sein als in San Christobal - studentischer und cooler. Die mexikanischen Jungs tragen coole T-Shirts, coole Frisuren und scheinen insgesamt auch westlicher und wohlhabener zu sein. Die Musikband spielt rockigen Pop und zwei Cocktails kosten 40 Pesos (4 US-$), das wird ein lustiger Abend.



An unserem freien Tag schlafen wir aus und laufen etwas in der Stadt herum. Die Santo-Domingo Kirche ist Wahnsinn. Sehr spanisch, sehr katholisch und über und über mit Gold dekoriert. Ansonsten finde ich Oaxaca ehrlich gesagt nicht soooo spannend. Auf dem Markt gehe ich nochmal ausgiebig Souveniers shoppen und schaue mir etwas den Zocalo an, der ist wirklich schön.


Wir besuchen noch Monte Alban, hier haben die Indios die ganze Bergspitze abgetragen um mit ihrer heiligen Stätte den Himmel näher zu sein. Die Aussicht ist atemberaubend.



Wir fahren noch in einer Teppichweberei vorbei. Hier arbeitet die ganze Familie an handgewebten Teppichen und ich probiere mich an Schafswolle kämmen. Das sieht so einfach aus und ist doch ganz schön schwierig! Ich muss meine Armmuskeln mal wieder trainieren. Die Familie webt nicht nur die klassischen Teppichmuster, sondern setzt auch bekannte Gemälde von Diego Riviera oder Salvador Dali um, manchmal arbeiten sie vier Monate an einen besonders komplizierten Teppich und ob sie dann einen Käufer dafür finden ist fraglich. Ich wunder mich wie damit eine so große Familie ernährt werden kann, aber dem Haus nach zu folgen in dem sie wohnen, scheint es ihnen nicht schlecht zu gehen.


Dann machen wir noch Halt in einer Mezcal-Brennerei. Die Agaven werden geerntet und aus den Herzen wird dann der Mezcal gebrannt. Das Verfahren ist erstaunlich simpel, die Anlagen sehen auch recht einfach und alt aus. Der Mezcal ist wirklich lecker, wir probieren hinterher noch.



Mexico City.
Unsere Rundreise endet hier, wo sie auch begonnen hat. Wir sind alle ganz traurig und heulen beim Abschied von unseren lieb gewonnenen Reisebegleitern etwas rum. Aber Kerstin und ich haben noch zwei Tage in Mexico City. Wir haben vorher schon ziemliche Horrorgeschichten über diese Stadt erzählt bekommen und ich bin mir etwas unsicher in wie weit sie stimmen. Größte Stadt der Welt (20-23 Millionen Einwohner), sehr hohe Kriminalität, im Dunkeln nicht auf die Straße gehen, keine Metro fahren... Unsere Mitreisenden waren teilweise vor der Rundreise schon einige Tage hier und haben das schon relativiert, also wagen wir uns einfach ins Getümmel. Am meisten Angst habe ich eigentlich davor, dass mir meine Kamera geklaut wird... Es ist dann auch halb so schlimm, wir fahren sogar mit der Metro, werden zwar als einzige Europäer im Wagen neugierig beobachtet, aber mehr passiert nicht.



Der Zocalo ich recht unspektakulär, wir gehen in die riesige Kathedrale, die ganz schön ist. Dann nach nebenan in den Nationalpalast, wo wir nur nach Vorzeigen des Reisepasses eingelassen werden. Aber ich möchte unbedingt die riesigen Wandgemälde von Diego Riviera sehen! Sie sind auch sehr beeindruckend. Wir laufen noch etwas rum und unken, dass uns hier der mexikanische Präsident über den Weg laufen könnte und wir würden ihn nicht erkennen.



Wir laufen noch etwas durch diese überfüllte und rummelige Stadt, ich glaube hier mal etwas Ruhe zu finden ist schwierig. Die Mexikaner sehen hier ganz anders aus als im Rest des Landes, viel Spanischer. Sie sind größer und haben auch viel europäischere Gesichtszüge, sie scheinen schon viel mehr mit den ehemaligen spanischen Eroberern vermischt zu sein.

An unserem letzten Tag gehen wir noch in das Antropologische Museum, das verbringen wir locker 3-4 Stunden. Es ist riesig und irgendwann stapfen wir nur noch ermattet an den Ausstellungsstücken vorbei und können gar nichts mehr aufnehmen. Wir setzen uns etwas in den Park, der aber auch wieder sehr voll und laut ist. Verstehen die Mexikaner dieses Gewühle und Geschrei unter Erholung? Sehr sonderbar.



Nachmittags fahren Kerstin und ich dann zurück zum Flughafen und fliegen gen Heimat. Adios Mexico! In Hannover erwarten uns 8 °C und Nieselregen, wir fühlen uns in den tiefsten Winter zurück katapultiert.


Reiseveranstalter: Trek America