Nachsaison im Cilento-Nationalpark
15.10. - 30.11.2011
... und von Apulien aus fahren wir entspannt nach Kampanien in den Cilento-Nationalpark nach Castellabate.
Wir fahren durch die Region Basilikata über ein sehr ländliches Italien Richtung Kampanien. Was mir auffällt ist, dass in Basilikata die Straßen und vor allem die Haltebuchten auf den Autobahnen sehr sauber sind. Kaum haben wir aber die Grenze zu Kampanien überschritten, sind die Haltebuchten wieder total vermüllt. Angeblich wird in den Regionen Kalabrien, Apulien und Kampanien die Müllabführ von der Mafia kontrolliert, das heißt die Gelder versichern dort. Vielleicht macht sich das ja tatsächlich so bemerkbar?
Wir haben in San Marco di Castellabate ein etwas abseits gelegenes Ferienhaus gebucht. Laut Beschreibung wird nur in der Regenzeit für die Anfahrt ein Allradantrieb empfohlen, das Foto von der zwei Kilometer langen Sandpiste die zum Haus führt, sah auch nicht so schlimm aus.
Wir treffen den Besitzer unten im Ort auf einen Parkplatz, er fährt mit seiner Vespa vorweg zum Haus. Und ich denke noch, wenn der da mit seiner Vespa hoch kommt, kann es ja wirklich nicht so schlimm sein. Pustekuchen. Auf der Sandpiste liegt frischer Schotter, überall Spurrillen und Schlaglöcher, und je weiter wir die die Straße hoch kommen umso schlechter und steiler wird der Weg. Zur Krönung sind dann kurz vor dem Haus noch zwei kleine Haarnadelkurven, unser armer Zafira heult und jault und kämpft sich die den Berg hoch. Das Foto im Internet von dem Weg war leider vom harmlosen Abschnitt… Da wir Angst um unser Auto haben werden wir es für den Rest unseres Aufenthalts unten im Ort stehen lassen und zu Fuß den Berg hoch laufen.
Das Haus ist aber wunderschön. Ein komplett renoviertes altes Natursteinhaus mit mehreren Terassen und Sitzgelegenheiten mit Meerblick, Hängematte, Grillplatz und einen Zitronenbaum direkt vor der Küche. Das ganze auf einen Stelhang über dem Meer, umgeben von tausenden Olivenbäumen.
Da jetzt zuhause Herbstferien sind, holt Stephan noch am selben Tag Hannah und seine Mutter in Neapel vom Flughafen ab und am nächsten Morgen laufen wir bei Tageslicht um das Haus und bestaunen die Idylle.
Als erstes wollen wir natürlich die Umgebung erkunden und laufen von San Marco aus am Strand entlang bis nach Santa Maria di Castellabate. Das ist nicht weit, der Weg ist allerdings nicht besonders Kinderwagenfreundlich.
Von San Marco aus läuft der Weg erst am Hafen vorbei und an einer kleinen Steilküste über einen Trampelpfad, das ist noch o.k. Dann geht es aber weiter am Strand entlang, da wird es dann mit dem schieben schwierig. Wir versuchen zwischen den Häusern einen Weg zu finden, landen dann aber auf der großen Autostraße ohne Fußweg, und die Autos fahren sehr rasant an uns vorbei. Das ist nicht so schön, wir kommen aber recht schnell nach Santa Maria rein, dort ist dann alles wieder ganz beschaulich. Santa Maria gefällt mir als Ort sehr gut. Im Juli/August tobt hier bestimmt der Bär, aber jetzt im Oktober ist es hier sehr ruhig, aber es gibt einige kleine Cafes und eine kleine Fußgängerzone mit Geschäften.
Hannah möchte unbedingt baden, obwohl es ja gar nicht mehr sooo warm ist. Das Wasser hat aber noch eine ganz gute Temperatur, und auch Stephan traut sich hinein. Ich bleibe mit Nike lieber im Schattend er Strandmuschel und halte meine Nase so in die Sonne.
Wir fahren auch noch in den Bergort Castellabate, zu denen die beiden Hafenorte Santa Maria und San Marco gehören. Hoch oben auf einen Berg trohnt das Dorf über den Küstenorten. Die Aussicht von hier oben ist toll. Wir schauen uns die Festung an, laufen durch die verwinkelten kleinen Gassen und schauen uns noch eine Kirche an. Wieder ganz prächtig. So arm die Leute hier früher auch waren, für die Kirche war anscheinend immer was übrig.
Als nächstes wandern wir am Monte Stella, dem höchsten Berg der näheren Umgebung. Im Wanderführer steht aber schon, dass der Gipfel gar nicht so schön ist wegen der ganzen Funkmasten und des Mülls, also machen wir nur eine Teilbesteigung und gehen dann wieder zurück. Wir haben aber dennoch schöne Ausblicke, sehen viele Blumen und laufen an vielen Pinien vorbei, an denen wir dann eine Tüte Pinienkerne sammeln, die wir später auch knacken und geröstet zum Salat essen. Lecker! Und Nike sitzt wieder in der Kraxe und freut sich dass es soviel zu sehen gibt.
Pomoeji steht natürlich als Kulturhighlight zur Diskussion, ist dann aber doch wieder zwei Stunden Autofahrt weg. Und ich war da ja auch schon mal. Also fahren wir erstmal nach Paestum, das kenne ich noch nicht. Eine alte griechisch-römische Stadt mit vielen Tempelruinen. Ich finde es schon beeindruckend mir vorzustellen, wie das früher dort aussah als noch alles intakt war und die Menschen über die Straßen liefen. Heute gibt es hier eher viele Eidechsen, die begeistern Hannah auch am meisten.
Im zum Gelände gehörenden Museum sehen wir dann noch viele Ausgrabungsstücke wie Vasen, Steinreliefs, Hasuhaltsgeräte usw. Das macht das Bild rund, wie das leben hier früher war.
Abends können wir dann von unserem Haus aus wieder einen tollen Sonnenuntergang beobachten. Hier haben wir jeden Abend den Beweis, dass die Sonne tatsächlich bei Capri im Meer versinkt… *seufz*
Ein Highlight haben wir uns noch fest vorgenommen: Die Schluchtwanderung im Herzen des Cilento-Nationalparks. Die Anfahrt ist recht lang, aber die Beschreibung hört sich sehr gut an und wir möchten sie unbedingt machen. Also kommt Nike wieder in die Kraxe und wir laufen los. Erst ist der Weg noch ganz gut und wir laufen am rauschenden Fluss entlang stromaufwärts in die Schlucht hinein. Mit der Zeit wird der Weg immer steiler und schlechter, er ist auch gar nicht so einfach zu erkennen. Irgendwo an Bäume und herumliegende Steine ist die Wegmarkierung angemalt, aber wir finden den Pfad, auch wenn wir manchmal suchen müssen. Allerdings brauchen wir doch etwas länger, und wir müssen uns etwas beeilen, um noch im hellen zurück beim Auto zu sein.
Wir verlassen die Schlucht über einen Grat, auf dessen Wiese viele wilde gelbe Krokusse blühen und steigen über einen steilen Schotterweg begab, Das finde ich tatsächlich etwas schwierig, Stephan hat mit Nike auf dem Rücken da etwas zu kämpfen. Nun müssen wir neben den Berg wieder zurück laufen, und hier wird die Wegbeschreibung im Wanderführer echt schlecht: „Am Bauernhof mit der großen Eiche linke und am Platz mit den Mähdreschern wieder rechts…“ Hä? Die Eiche finden wir noch (glauben wir), die Mähdrescher nicht und auch der Rest der Wegbeschreibung gibt uns Rätsel auf.
Eine alte Bäuerin zeigt uns per Handzeichen einen Weg und hält ihren geifernden Hund fest, bin wir vorbei sind. Wir laufen nun einen kleinen Asphaltweg durch Wiesen wir aus einen Bilderbuch und können unser Ziel sehen, das ist beruhigend. Eigentlich scheint dieser Weg ein Umweg zu sein, aber er ist so hübsch, dass es uns nichts ausmacht. Mit dem letzten Tageslicht machen wir uns dann auf dem Heimweg, müde aber zufrieden. Und Nike sceint auch glücklich zu sein, dass sie nach über sechs Stunden aus der Kraxe rauskommt, obwohl sie das alles ohne Klagen mitgemacht hat.
Nach dem Erlebnis gönnen wir uns mal wieder einen Ruhetag auf der Terasse unseres schönen Hauses, dann machen wir noch mal eine kleine Wanderung zum Punta Licosa, einen kleinem Kap in der Nähe unseres Hauses. Am Hafen in San Marco sehen wir noch einen Fischer, der seinen Fang nachhause bringt, dann laufen wir die Küste entlang und über den Berg wieder zurück zu unserem Haus. Hier scheinen einige Reische aus Neapel ihre Wochenendhäuser zu haben, da sind ja einige Prachtbauten dabei.
Mit viel Faulenzen haben wir die zwei Wochen in Kampanien dann auch schon wieder fast herum bekommen. Am letzten Abend wollen wir noch in Santa Maria schick essen gehen und stellen fest, dass hier eine Prozession stattfinden soll. Juhu! Das war ja ein großer Wunsch von mir, eine Prozession zu sehen, bis jetzt hatte das aber nicht geklappt. Das heisst aber natürlich auch, dass die Restaurants erst nach der Prozession öffnen, wann auch immer das sein wird.
Erst laufen wir durch die Fussgängerzone und schauen uns die liebevolle Dekoration an der Häusern an. Die Einheimischen sammeln sich langsam alle auf der Straße und wirken alle etwas aufgeregt. Wir bekommen allerdings mittlerweile Hunger und finden einen Pizzaimbiss mit Aussensitzplätzen direkt an der Prozessionstrecke. Naja, dann also doch nicht schick essen, sondern einfache Pizza, aber dafür live die Prozession erleben.
Maria ist die Schutzheilige des Ortes und ihre Statur war gerade in Rom und kommt nun zurück. Soviel haben wir mit unserem rudimentären italienisch verstanden. Und tatsächlich hören wir auch bald die ersten Gesänge, dann gehen die Straßemlaternen aus und wir sehen am Ende der Straße die Prozession einbiegen. Gebete und Gesänge wechseln sich ab, dazu das Kerzenlicht am Straßenrand und in den Händen der Prozessionsteilnehmer. Das ist schon beeindruckend und verursacht Gänsehaut. Die Maria wird von einigen starken Männern getragen, schwankt an uns vorbei und verschwindet Richtung Kirche. Dort wird Maria zum krönenden Abschluß wieder auf ihren angestammten Platz gestellt. Erst denken wir, dass es jetzt auf den Straßen noch eine Party gibt, aber anscheinend feiern die Einheimischen zuhause. Zumindest verschwinden alle ziemlich schnell, also gehen wir auch nachhause, denn am nächsten Morgen müssen wir früh aufstehen.
Hannah und Jutta müssen um 7 Uhr in Neapel am Flughafen sein, wir werden dann gleich weiter fahren Richtung Heimat.
Nach fast sechs Wochen freue ich mich auch schon auf zuhause. Nike hat im zarten Alter von mittlerweile 10 Monaten die Reise problemlos mitgemacht und es hat uns allen sehr viel Freude bereitet. Aber ich freue mich jetzt auch auf so einfache Dinge wie gutes Brot, eine richtige Wickelkommode und einen geregelten Tagesablauf. Der Mensch ist halt doch ein Gewohnheitstier.
Wir kommen so gut vorwärts, dass wir am ersten Tag bis nach Carpi kommen, einen Ort in der Nähe von Modena. Hier vertreten wir uns die Beine und schlendern durch die Fußgängerzone, sehen das erste Mal in Italien Radfahrer, die das Rad als normales Fortbewegungsmittel nutzen und Nike hat die erste Karusselfahrt ihres Lebens. Sie ist begeistert!
Hat sie den ersten Fahrtag klaglos mitgemacht, hat sie am zweiten keine Lust mehr und meckert viel rum. Wir kommen nur bis Ottobrunn im Allgäu und nutzen dann lieber den schönen Spätherbsttag um noch spazieren zu gehen. Das findet sie gut. Am dritten Tag sind wir dann auch zuhause.