Dolomiten und Gardasee
28.08. - 13.09.2009
Im Frühjahr habe ich eine Outdoor-Zeitschrift gelesen, mit fantastischen Fotos über den Höhenweg Nr. 1 in den Dolomiten. Sofort sprang bei mir der Funke über: Da will ich auch hin! Und so befinden Stephan und ich uns Ende August mit vollgepackten Rucksäcken im Kofferraum auf der Autobahn Richtung Süden. Bis nach Innsbruck kommen wir am ersten Tag und übernachten am Beginn der alten Brennerautobahn in einer einfachen Pension. Am nächsten Morgen schaue ich aus dem Fenster, Regen. Das fängt ja nicht so gut an.

Wir fahren weiter über Landstraßen nach St. Vigil, langsam wird das Wetter auch besser. In St. Vigil stellen wir den Wagen einfach auf einem öffentlichen Parkplatz ab, ziehen die Wanderstiefel an und laufen zur nächsten Bushaltestelle. Der Plan ist der, erstmal mit dem öffentlichen Bus die 10 km bergauf zur Pederühütte zu fahren und von dort noch etwa 2 Stunden zur Faneshütte zu laufen. Das sollte dann für den ersten Tag als Einstimmung reichen. Und tatsächlich haben wir den Bus sehr gut abgepasst. Obwohl er nur 3x täglich fährt müssen wir nur etwa 10 Minuten warten und können einsteigen.

Oben angekommen fallen vor allem die bedrohlichen grauen Wolken auf, die zwischen den Felswänden hängen. Da eh Mittagszeit ist kehren wir daher erstmal in die Pederühütte ein und essen eine Kleinigkeit. Eine Stunde und zwei Regenschauer später sieht es zumindest etwas besser aus und wir laufen über Felsen und dann durch niedrige Latschenkiefern bergauf. Es nieselt leicht, aber die Regenhose ziehe ich nach einiger Zeit wieder aus, da ich darin so schwitze, dass ich von innen her nass werde. Da erspare ich mir das Saunaklima und werde halt von außen etwas feucht. Der Weg ist recht langweilig, sehe ich doch von der umgebenden Landschaft nichts wegen der dichten Regenwolken. Am frühen Nachmittag kommen wir auf der Faneshütte an. Eigentlich ist das schon gar keine klassische Berghütte mehr sondern eher ein Hotel, das kaum Wünsche offen lässt. Obwohl wir 4 Wochen vorher gebucht haben, bekommen wir kein Doppelzimmer mehr sondern 2 Betten in einem 10-Bettzimmer. Und tatsächlich rauben mir nachts zwei Schnarcher den Schlaf, die ganze Regenwälder abzusägen scheinen. Meine Ohrstöpsel habe ich dummerweise ganz unten im Rucksack liegen, die hohle ich mitten in der Nacht nicht raus. Anfängerfehler.

Am nächsten morgen dann strahlend blauer Himmel und Sonnenschein. Ich bin erstaunt in welch schöner Berglandschaft ich mich befinde, dass konnte ich am Tag vorher wegen der Wolken gar nicht erkennen. Hoch motiviert schulter ich meinen Rucksack und wir laufen los. Heute steht von den Höhenmetern her gleich die anspruchsvollste Etappe auf dem Plan, über 1000 Höhenmeter, und das mit einem Rücksack, der ohne die Wasserflaschen schon 12 kg wiegt! Ich werde unterwegs immer wieder fluchen, dass ich zuviel eingepackt habe, obwohl ich mir auch nicht ganz sicher bin, worauf ich hätte verzichten sollen.
Erstmal ist aber alles ganz easy. Wir kommen an Kuh- und Pferdeherden vorbei, sehen Murmeltiere gleich neben den Weg und wären beinahe auf Edelweis getreten. Dazu diese schönen Berge… Der erste Aufstieg zu einer Scharte ist auch gar nicht so schlimm. Von dort oben hat man einen fantastischen Blick auf einen Bergsee, zu dem wir auch in steilen Kehren über einen Schotterweg wieder hinunter laufen.


Und dann müssen wir die 700 Höhenmeter zur Lagazuoihütte wieder hinauf. Das ist aus psychologischer Sicht ganz böse: Erst kämpft man sich einen Berg hinauf, läuft dann die ganze Höhe, die man schon geschafft hat wieder hinunter um sich dann noch mal einen hohen Berg hinauf zu quälen.



Wir hatten eine ausgiebige Mittagspause gemacht, aber bei diesen stetigen Anstieg bin ich ganz schön am kämpfen. Zwar habe ich durch Rennradtraining in den letzten Wochen recht viel Kondition aufgebaut, aber anscheinend doch nicht genug, und der Rucksack ist ja auch ganz schön schwer. Ich versuche mich zu motivieren indem ich mir vorstelle, wie ich oben auf der Hütte ein schönes kaltes Bier trinke, aber Stephan hat nichts besseres zu tun, als mir zu erzählen, dass das Bier ausverkauft sein wird, da ich so langsam wäre.


Kurz vor dem Ziel fragt mich ein entgegenkommender Wanderer auch noch, ob mit mir alles in Ordnung wäre. Ich schäme mich sehr. Oben angekommen gibt es dann noch reichlich Bier, Stephan holt mir sogar eins. Fünf Euro die Flasche ist ein stolzer Preis, aber ist mir jetzt egal. Mit dem Glas in der Hand sitze ich auf der Terrasse in der Sonne und genieße die Aussicht. So etwas Schönes habe ich noch nie gesehen.

Kurz vor dem Ziel fragt mich ein entgegenkommender Wanderer auch noch, ob mit mir alles in Ordnung wäre. Ich schäme mich sehr. Oben angekommen gibt es dann noch reichlich Bier, Stephan holt mir sogar eins. Fünf Euro die Flasche ist ein stolzer Preis, aber ist mir jetzt egal. Mit dem Glas in der Hand sitze ich auf der Terrasse in der Sonne und genieße die Aussicht. So etwas Schönes habe ich noch nie gesehen.
Abends beim Abendessen erlebe ich dann noch beim Sonnenuntergang mein erstes Alpenglühen. Da kann ich nicht anders und muss mein Essen stehen lassen um Fotos zu machen.

Am nächsten Morgen laufen wir wieder bei strahlendem Sonnenschein los und weichen etwas vom Höhenweg Nr. 1 ab. Da wir keine Lust haben einen Skihang hinab zu laufen machen wir einen kleinen Schlenker und laufen unterhalb der Tofana entlang. Das ist total schön dort! Wir sehen auch wieder viele verfallene Soldatenstützpunkte aus dem ersten Weltkrieg.



Unten an der Hauptverkehrsstraße angekommen finde ich die Autos und Motorräder nach zwei Tagen Stille in den Bergen sehr unangenehm laut und wir laufen schnell auf der anderen Seite den Berg wieder hinauf. Mittagspause machen wir mit Blick auf die Cinque Torre, von denen vor einiger Zeit ein Felsenturm einfach umgefallen ist und im Gras liegt. Wir verspeisen unser mitgebrachtes Pumpernickel mit Salami und beobachten die Kletterer die sich auf den restlichen vier Felsen tummeln. Dann geht es weiter bergauf Richtung Nuvolau.

Die Nuvolauhütte liegt hoch oben auf einer Felsspitze und bietet eine spektakuläre Aussicht. Wir kraxeln den steinigen, felsigen Weg in Serpentinen hinauf und trinken erstmal ein Bier. Das schmeckt nach solch sportlichen Einsatz besonders gut, man muss nur die gesalzenen Preise ausblenden (5 EUR für 500 ml). Diese Hütte ist ganz einfach, die Toilette ist draußen und das Wasser zum Waschen ist bitterkaltes Regenwasser. Somit fällt selbst die Katzenwäsche recht kurz aus. Das abendliche Menü ist hier für den Preis sehr mäßig, es gibt trockenes, paniertes Tiefkühlschnitzel oder pappige Polenta. Aber immerhin haben wir wieder eins schönes Alpenglühen. Um 22 Uhr wird der Strom ausgeschaltet und wir gehen nach einen vom Essen abgesehenen sehr netten Hüttenabend ins Bett.



Am nächsten morgen springe ich extra früh raus um den Sonnenaufgang zu beobachten, und der lohnt sich hier oben wirklich! Das Frühstück danach ist aber umso enttäuschender: Eine Mini-Portion Rührei mit zwei kleinen Speckstreifen und einen Capuccino. Um den Magen etwas voller zu bekommen bestellen wir einen zweiten Capuccino, den wir natürlich auch gleich extra bezahlen müssen. Teuer sind die Berghütten ja alle, aber die Nuvolauhütte habe ich schon als Touristenabzocke empfunden. Daher mein Tipp: Etwas unterhalb der Nuvolauhütte befindet sich die Averauhütte. Dort übernachten und nur zur Nuvolauhütte aufsteigen um dort die Aussicht zu genießen.
Langsam ziehen einige Wolken auf, es ist aber schon so früh am Morgen sehr heiß. Wir steigen eine lange Zeit bergab, die Landschaft wird jetzt etwas lieblicher. Laut Karte wäre der Dolomitenhöhenweg Nr. 1 von der Nuvolauhütte direkt zur Citta di Fiume gegangen, auf dem Weg wäre man weiter oben geblieben. Unser Wanderführer schickt uns aber erstmal zur Croda da Lago-Hütte, dazu führt der Weg weit hinunter und ein langes Stück durch den Wald. Das ist zwar ganz nett, aber nicht wirklich beeindruckend. Aber dann kommen wir am Croda da Lago an, und hier ist es richtig hübsch! Der See wird auf einer Seite von Felsen gerahmt und wir halten unsere geschundenen Füße in das kalte Wasser und beobachten die Fische. Vor der Hütte sitzen einige aufgebrezelte Italienerinnen, und als ich mich gerade frage, wie sie in ihren schicken Schühchen hier den Berg hinauf gekommen sind, fährt auch schon der Jeep-Shuttle Service vor, der die Damen zurück nach Cortina d´Ampezzo bringt. Inklusive dem Schoßhündchen.



Hier ist das Essen abends dann auch wieder sehr lecker und reichhaltig, und am nächsten Morgen am Frühstücksbuffet gibt es auch wieder Kaffe satt zum selbst nachfüllen. Wir bekommen sogar zu zweit ein Sechserzimmer für uns alleine, da die Hütte nicht voll belegt ist. Duschen kostet aber leider auch wieder 3,50 EUR und wir machen eine ausgiebige Katzenwäsche.


Morgens sieht das Wetter noch ganz gut aus, aber die großen Wolken hängen schon am Horizont. Wir gehen früh los und sehen sogar noch eine ganze Menge Murmeltiere, die sich faul in der Sonne räkeln und uns auch nicht sehr aufgeregt beobachten. Auf der anderen Seite des Berges zieht sich der Himmel schnell zu, so dass wir keine ausgiebige Pause auf der eigentlich ganz netten Almwiese machen. So laufen wir durch Kuhherden hindurch und sind wir nach drei Stunden schon an der Citta di Fiume und trinken erstmal einen Capuccino und bewundern den Monte Pelmo.


Dort an der Hütte können wir ein Schauspiel der besonderen Art beobachten: Vor der Hütte sitzt eine größere Gruppe Italiener, die zur Mittagszeit schon einen Grappa nach den anderen trinkt (aus Wassergläsern). Sie diskutieren und gestikulieren herum und ständig wird Grappa nachgeschenkt. Dann gehen zwei zum Auto, holen ihr Jagdgewehr heraus und zielen damit herum, ohne allerdings zu schießen. Danach legt sich der eine neben das Auto ins Gras um zu schlafen, der andere legt sich auf eine Holzbank. Der Rest der Truppe trinkt weiter Grappa, was die beiden Schläfer auch wieder tun, nachdem sie von ihrem Mittagsschläfchen aufwachen. Und dann marschieren sie tatsächlich mit ihren Gewehren los, um auf die Jagd zu gehen. Es erscheint mir fast als Wunder, dass auf der Jagd niemand mit einem Steinbock verwechselt und erschossen wurde.

Nach dieser Darbietung langweile ich mich etwas und komme zu dem Entschluss, dass ich mir endlich mal eine richtige Dusche gönne. 3,80 EUR wollen die hier dafür haben, aber egal. Stephan und ich minimieren die Kosten etwas indem wir uns zu zweit in die Mini-Duschkabine zwängen und jeden Tropfen der sieben Minuten auskosten. Herrlich! Danach bekommen wir unser glückliches Strahlen kaum noch aus dem Gesicht heraus. Da merkt man doch erstmal, welch ein Luxus unsere sonst tägliche Dusche ist.
Nachts gewittert es ganz heftig, ich wache auf und sehe wir die Blitze um die Berge zucken, der Regen rauscht auch ganz schön. Der Regen hat sich am nächsten Morgen größtenteils verzogen, aber der Himmel ist noch ganz grau und die Wolken hängen in den Berggipfeln. Unsere heutige Etappe führt uns zur Coldaihütte, deren benachbarter See einer der schönsten Alpenseen sein soll und auf den ich mich besonders freue. Aber erstmal hoffe ich, dass wir dort trocken ankommen.
Das Schotterfeld des Monte Pelmo lässt sich gut queren, danach müssen wir ein Stück an einer Passstraße entlang laufen, was nicht wirklich Spaß macht. Aber dann geht es durch Wald und Wiesen bergauf, und es ist eigentlich ganz nett. Nur leider sieht man wegen der Wolken nicht viel, und recht feucht ist es auch. So ist die Wanderung recht unspektakulär. Wir sehen beim Aufstieg in den Felsen aber jede Menge schwarzer Alpensalamander, die in der feuchten Luft auf den Felsen sitzen und nur weglaufen, wenn man Ihnen sehr nahe kommt. Kurz vor der Coldaihütte stecken wir dann so in den Wolken drin, dass wir die Regenkleidung herausholen müssen. Man sieht vielleicht 10 Meter weit und wir sitzen erstmal mit etwas gedrückter Stimmung im Gastraum. Da wir ein Doppelzimmer haben, vergammeln wir den Rest des Nachmittags im Bett und lesen und sind recht froh als es Zeit ist zum Abendessen. Das Wetter sieht immer noch schlecht aus.


Am nächsten Morgen hat sich das Wetter kein Stück gebessert. Eigentlich stand den Tag ein Highlight auf dem Programm: Entlang der Civetta wollten wir zur Vazzolerhütte um von dort einen Tag später weiter zum Passo Duran und dort wäre unser Dolomitenabenteuer dann zu Ende gewesen. Die Wirtin der Coldaihütte verkündet aber, dass der Wetterbericht schlecht ist, weiter Regen und ab 2.000 Meter sogar Schnee. Schweren Herzens beschließen wir jetzt schon nach Alleghe abzusteigen.
Dazu laufen wir am Lago Coldai vorbei, der bei grauem Wolkenhimmel nicht so berauschend aussieht. Da wir keine Lust haben über denselben Weg anzusteigen, über den wir den Tag vorher herauf gekommen sind, nehmen wir einen anderen Weg nach Alleghe hinab, der auf unserer Wanderkarte als „Wanderpfad“ eingezeichnet ist. Dieser Wanderpfad entpuppt sich aber fast schon als Klettersteig, ich muss einige Male sogar meinen Rucksack abnehmen und vor mir hinab lassen, da ich mit dem Gepäck auf dem Rücken die Kletterpartien nicht geschafft hätte. Hinfallen tue ich allerdings erst, nachdem wir die steilen Kletterstellen hinter uns haben und wieder auf einen schmalen Pfad zwischen Gestrüpp laufen.

Unten im Ort angekommen fängt es dann auch an zu regnen. Wir suchen uns schnell ein Hotel, und da geht das Unwetter auch schon richtig heftig los. Ich stehe nur staunend auf dem Balkon und bin froh bei einem solchen Regen nicht mehr auf dem Berg zu sein. Am nächsten Morgen ziehen wir allerdings lange Gesichter, denn die Civetta erstrahlt im schönsten Sonnenschein und bei blauen Himmel, das schlechte Wetter hat sich ausgetobt. Aber wieder aufsteigen wollen wir jetzt auch nicht mehr, wir starten halt etwas früher an den Gardasee. Mit dem Bus fahren wir ca. zwei Stunden mit zweimal umsteigen nach St. Vigil zu unserem Auto und los geht’s.

Über kurvige Passstrassen mit postkartenwürdigen Ausblicken erreichen wir Arco, nur 4 km vom Gardasee entfernt. Vor unseren Reiseantritt hatten wir uns im Internet etwas schlau gemacht, und festgestellt, dass direkt am Gardasee in Riva die Pensionszimmer gut das doppelte Kosten, als wenn man etwas außerhalb bleibt. Und Arco erscheint uns ein ganz guter Ausgangspunkt zu sein, die Verkehrsanbindung ist ganz gut. Außerdem versammelt sich hier die Kletterszene, das Publikum ist also relativ jung und schlendert entspannt durch die kleine Altstadt mit gefühlten 100 Outdoorshops und etlichen leckeren Gelaterias. Das Hotel da Gianni wurde im Internet seines hervorragenden Essens wegen angepriesen, das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wir fahren einfach vorbei und bekommen auch tatsächlich noch ein Zimmer. Abendessen bekommen wir aber erst ab Dienstag, da das Restaurant bis dahin ausgebucht ist bzw. Ruhetag hat, aber dann können wir auch noch einige andere Restaurants ausprobieren. Am ersten Abend steht auch gleich eine leckere Pizzeria auf den Plan, danach rollen wir förmlich nachhause.

Am nächsten morgen leihen wir uns die einfachen Hotelräder aus und fahren damit entlang des Flusses und den Weinfeldern nach Riva und legen uns etwas an den Strand des Gardasees. Links und rechts türmen sich die Berge hoch hinauf und die Surfer tummeln sich auf dem Wasser. Zu weit sollte man hier nicht hinaus schwimmen, das wird gefährlich. Aber das Wasser ist eh ganz schön frisch, aber dafür ganz klar. Ich bin beim Schwimmen aber ganz irritiert, das es nicht salzig ist, mein Unterbewusstsein meint wohl, am Meer zu sein. Wir laufen dann noch etwas durch Rivas Fußgängerzone und kommen aber zu dem Schluss dass Arco doch netter, da familiärer ist.


Am Tag darauf starten wir auch schon zu der Wanderung, die ich vor der Reise aus einer Outdoorzeitschrift kopiert habe. Von dem kleinen Dorf Pregasina etwas oberhalb des Gardasees steigen wir hinauf zu einen Gipfel und laufen dann über einen Kammweg ein ganzes Stück über mehrer Gipfel entlang, bis wir wieder absteigen und zurück nach Pregasina kommen. Der Anstieg ist recht steil, aber durchaus machbar. In den Dolomiten haben wir anscheinend soviel Kondition gesammelt, dass es uns nicht übermäßig anstrengend vorkommt. Schon die ersten Ausblicke auf den Gardasee sind toll. Wir kommen an einer alten Schutzburg vorbei, die im ersten Weltkrieg allerdings recht schnell wieder aufgegeben wurde, jetzt verfällt sie etwas vor sich hin.


Um auf den Kammweg hinauf zu kommen müssen auch einige kleine Kletterpassagen überwunden werden, das ist ja gar nichts für mich! Ich bin zwar absolut Schwindelfrei, wenn ich mich aber nur an einem Seil festhaltend an einen Felsen entlang hangeln soll, oder über eine fast einen Meter breite Felsspalte springen muss, fällt bei mir irgendeine Klappe zu und ich habe regelrechte Blockaden. Stephan meint, ich wäre nicht trittsicher, aber keine Ahnung ob es das ist. Im Geiste formuliere ich also schon böse Briefe an die Redaktion der Zeitschrift, schließlich war die Wanderung als etwas anstrengend aber unproblematisch beschrieben… Irgendwann hören die Kletterpassagen aber wieder auf und ich beruhige mich etwas. Ich freue mich lieber über die schönen Aussichten und die riesige Zauneidechse, die neben dem einen Gipfelkreuz in der Sonne liegt.





Der Weg zurück ins Dorf zieht sich dann schon etwas, aber schließlich kommen wir am späten Nachmittag im anscheinend einzigen Restaurant von Pregasina an und trinken schon mal Vino Rosso, bis unser Essen kommt. Spagetti sind in Italien ja eigentlich Vorspeisen, also haben wir hungrig die große Portion bestellt. Und dann bekommen wir da riesige Näpfe vorgestellt, da hätte man eine ganze Wandergruppe mit satt bekommen. Wir „rollen“ also wieder mit vollen Mägen zurück in unser Hotel und legen uns ermattet schlafen.
Jetzt wollen wir uns mal Arco etwas genauer anschauen. Wir bummeln etwas durch die schmalen Altstadtgassen, inspizieren die unzähligen Outdoorshops und Kirchen und essen ein Eis.

Da die Altstadt ja nicht so groß ist, haben wir nachmittags dann Zeit um zum Tennosee hochzufahren. Der Parkplatz dort oben kostet natürlich Geld, aber da es keine andere Möglichkeit gibt, stellen wir unser Auto dort ab und marschieren mit der Badematte unter den Arm zum See hinab. Tieftürkis strahlt er uns schon durch die Baumkronen an, das Wasser hat wirklich eine einmalige Farbe. Die Wassertemperatur ist auch wieder recht niedrig, das Bad fällt dann nicht ganz so lang aus. Ich bin ja eigentlich eher ein Freund der Badewannentemperaturen des Mittelmeeres…



Nach zweit Stunden drücken sich die Kiesel so sehr durch die Badematte durch, dass wir aufstehen und zum nahen Künstlerdorf ………. Fahren, wo sich in den mittelalterlichen Gassen viele kleine Galerien angesiedelt haben. Das Dorf ist wirklich sehr hübsch und sehenswert, wenn auch jetzt Mitte September die meisten Galerien schon geschlossen haben. Aber was ich dort sehe beeindruckt mich eh nicht so sehr.
Eigentlich habe ich ja nach eineinhalb Wochen jeden Tag schwitzen keine Lust mehr auf körperliche Anstrengung, aber für diesen Tag haben wir uns Mountainbikes ausgeliehen. Bei den vielen Radtouristen hier ist das auch gar nicht kompliziert. Wir fahren erst entlang der alten Küstenstraße, die mittlerweile für Autos gesperrt ist. Der Fahrrad- und Wanderverkehr ist aber immer noch immens, aber die Ausblicke auf den See sind sehr hübsch. Es geht stetig leicht bergauf, bis wir hinter dem Autotunnel auf die normale Autostraße treffen. Dort fahren wir mit dem Auto- und LKW-Verkehr weiter hoch zum Lago di Ledro. Der ist ganz hübsch, überzeugt mich jetzt aber nicht so sehr. Es gibt aber eine ganz nette Liegewiese, auf der ich mich in die Sonne lege und etwas döse. Dann fahren wir dieselbe Strecke wieder zurück. Stephan hat noch nicht genug und fährt noch zu einen anderen Bergdorf hinauf, ich mag aber nicht mehr und faulenze. Muss ja auch mal sein.



Dann das volle Touri-Programm. Wir fahren nach Limone, dass soll ja ein ganz hübscher Ort sein. Ist es auch, mit vielen schmalen Gassen und hübschen Häusern mit Blumen an der Fassade. Und leider auch Unmengen an Touristen, die die üblichen Souvenirshops plündern. Trotzdem finde ich, dass so etwas dazu gehört, wenn man schon am Gardasee Urlaub macht. Wir lästern über das Massentreiben rum, schauen uns die Kirchen des Ortes an und fahren dann mit der Fähre hinüber nach Malcesine. Dort ist es nicht ganz so trubelig, die Gassen sind aber auch nicht ganz so eng. Die Burg, die über dem Ort trohnt schauen wir uns dann aber nicht von innen an, 5 Euro Eintritt pro Person sind dann doch etwas viel. Wir bummeln noch etwas rum und fahren dann wieder zurück. So ein Programm brauche ich nicht immer, aber für einen Tag war es auch mal ganz nett.





Am letzten Tag laufen wir morgens durch Olivenhaine von unserer Unterkunft aus zur Festung von Arco. Hoch oben auf einen Felsen wacht sie über Arcos Altstadt, die dürfen wir nicht verpassen. Der Spaziergang dorthin ist auch wirklich sehr nett, wenn an dem Tag die Hitze auch so extrem ist, dass es ganz schön anstrengend wird. Die Ruine ist ganz gut erhalten und wir haben einen schönen Ausblick bis zum Gardasee und auch zur anderen Seite in das Tal hinein. Zum Mittag verspeisen wir dort oben unser Picknick, den Nachmittag lassen wir dann am Strand von Riva ausklingen und baden ein letztes Mal im klaren Wasser des Gardasees.



Abends bestellen wir uns zu unseren 5-Gänge Menü mit italienischen Köstlichkeiten auch einen besonders guten Wein aus der Gegend, sozusagen als Abschied. Wir werden ganz wehmütig, aber am nächsten morgen sitzen wir dann im Auto und fahren nachhause.


In Dinkelsbühl an der bayrisch-badenwürttenbergischen Grenze machen wir einen Zwischenstopp mit Übernachtung und schauen uns die schöne historische Altstadt an. Zuhause regnet es dann auch zur Begrüßung.
