Ecuador - vom Hochland zum Amazonasbecken
20.02. - 15.03.2009
So ein Flug nach Ecuador ist ganz schön lang. Über Amsterdam, Bonnaire und Guayaquil lande ich morgens um halb zehn in Quito und bin völlig kaputt. Mein vorbestellter Transfer ist auch nicht da und ich stehe da erst mal am Flughafen rum und bin genervt. Aber – tief durchatmen – nicht unterkriegen lassen. Ich nehme mir ein Taxi, halte ihm die Adresse meines Hotels unter die Nase und in 10 Minuten bin ich auch schon da. Nach einer Dusche und etwas Schlaf bin ich auch schon viel gelassener und erkunde zu Fuß die Straßen des Touristenviertels La Mariscal. Hier sind die ganzen Hotels und Restaurants, und dementsprechend hoch soll die Kriminalität sein, was mich nicht gerade beruhigt.
Vor den Hotels stehen oft Wachmänner in schusssicherer Weste (auch vor meinem), was sicher beruhigend sein sollte. Da ich denke, dass die dort nicht ohne Grund stehen, wirkt es auf mich aber eher beunruhigend. Ich laufe also etwas gestresst über einen kleinen Markt und durch einen Park, in dem gerade eine Kunstausstellung ist, aber im Großen und Ganzen finde ich es toll, auch wenn ich gleich feststelle, dass die Verständigung hier ohne Spanisch-Kenntnisse ganz schön schwierig ist. Abends trifft dann auch der Rest meiner Reisegruppe ein, inklusive dem Spanisch sprechenden Reiseleiter Richard.

Am nächsten morgen starten wir gleich in die Altstadt von Quito und sofort springt bei mir wieder der Funken über. Diese südamerikanischen kolonialen Altstädte finde ich ja wunderschön. Da Sonntag ist, ist die Altstadt für den Autoverkehr gesperrt und es sind Unmengen von Ecuadorianern unterwegs und hören sich die kleinen Livebands an, die überall in der Stadt stehen und Musik spielen.




Wir besuchen auch einen Gemüseladen und Richard zeigt uns die ganzen unterschiedlichen Arten von Tomaten, die es hier gibt und überhaupt das vielseitige Obst und Gemüse dass in diesen Land wächst. Der Gemüsehändler und seine Frau haben sich anscheinend erst sehr über uns gewundert, aber dann fanden sie uns sehr lustig. Die haben sicher nicht so oft einen Haufen Touristen in ihren kleinen Laden stehen, die bei jeder Banane oder Maracuja in „aahs“ und „oohs“ verfällt.

Dann besichtigen wir den Präsidentenpalast, den Ort an dem die Politik gemacht wird. Die ecuadorianische Politik scheint nicht besonders stabil zu sein, ständig wird geputscht und neu gewählt, die Gemälde mit den Portraits aller Präsidenten ist zumindest sehr zahlreich.

Am nächsten Morgen fahren wir aufs Land. Wir sind unterwegs zu der Lagune Quilotoa, den Kratersee eines Vulkans. Der Weg dorthin führt in vielen kurvigen Straßen über das Hochland, wir haben immer wieder fantastische Ausblicke auf die Landschaft. Das ist das Ecuador, wie man es sich immer vorstellt, schon fast wie ein Klischee. Was mich so fasziniert ist die Tatsache, dass auf 4000 Meter Höhe die Berge immer noch total grün sind. Keine Felsen wie in den Alpen, sondern Pampasgras auf sanften Hügeln.

Da die Fahrt doch recht lang ist machen wir einen Zwischenstopp und besuchen eine Indiofamilie auf ihrem Hof. Als Dank dafür, dass wir uns bei Ihnen umschauen dürfen, bringen wir Lebensmittel mit. Geld mag Richard ihnen nicht geben, da die Männer dies sonst gleich in Alkohol umsetzen würden, also sind einige Tüten voll Lebensmittel sinnvoller, da haben alle etwas von. Sie leben in einer mit Pampasgras abgedeckten Hütte ohne Fenster, die nicht mehr ist als ein Regenschutz und neun Personen aus drei Generationen beherbergt. Davor stehen einige Schafe und drum herum sind die Felder, sie noch von Hand bearbeitet werden. Hier wird mir zum ersten Mal deutlich, dass Ecuador ein Entwicklungsland ist. Aber die Familie ist sehr freundlich und beäugt uns genauso neugierig wie wir sie. Interessant fand ich die Regeln, nach denen sich die Indios ihr Leben lang richten: Nicht stehlen, nicht lügen, nicht faul sein. Das ist mir sympathisch.




An der Lagune Quilotoa angekommen, stehen wir auf dem 3850 Meter hohen Kraterrand und schauen auf dem 300 Hm tiefer gelegenen Kratersee hinunter. Die Wolken hängen in dem Krater und das Wasser des Sees schimmert tief türkis. Ist das schön hier! Wir steigen über Trampelpfade hinab und immer wieder kommen uns Indios entgegen, die Maulesel führen, auf denen Touristen sitzen. In dieser dünnen Höhenluft ist der Abstieg nämlich ganz entspannt, der Aufstieg wird dann aber ganz schön anstrengend. Auch ich bin erst noch ganz optimistisch und mache mich forschen Schrittes an den Aufstieg, bin aber sehr schnell am keuchen und winke mir den nächsten Indio mit Maulesel heran, der mir entgegen kommt. Das ist mir erst ja schon etwas peinlich, aber da es mehreren meiner Mitreisenden so geht, schäme ich mich meiner mangelnden Fitness dann doch nicht so sehr…



Am nächsten Morgen kommt dann der angekündigte Höhepunkt der Reise: Der Cotopaxi! Erst fahren wir über löchrige Straßen und durch karge Landschaft zu einem Parkplatz auf 4.600 m Höhe, die letzten 200 Hm laufen wir zu Fuß. Schon auf dem Parkplatz merke ich wie dünn die Luft ist. Ich bekomme den Tipp keine langen tiefen Atemzüge zu machen sondern schnell und flach zu atmen. Tatsächlich geht es damit besser. Der vergletscherte Gipfel des Cotopaxi versteckt sich hinter Wolken, aber diese geben über der Ebene immer wieder atemberaubende Ausblicke frei. Wir klettern im Zeitlupentempo durch karge Lavalandschaft und blicken auf grüne Pampasgrasebenen und können ein bezauberndes Lichtspiel beobachten. Auf 4.800 Hm kommen wir auf der Berghütte an und ich bin noch ganz überrascht, wie einfach der Aufstieg eigentlich war. Das wichtige ist halt doch, wirklich gaaaanz langsam zu gehen. In der Hütte werden Cotopaxi-Souveniers verkauft und in meiner Euphorie den Aufstieg geschafft zu haben, kaufe ich hier recht viel Schnickschnack ein. Da bn ich aber auch nicht die einzige, die wissen schon warum die das Zeug hier anbieten ;-)



Nach einer Stärkung steigen wir wieder ab zum Parkplatz und fahren ein Stück die Straße hinab zu einem Picknickplatz. Man gut, bei mir machen sich schon mit leichten Kopfschmerzen erste Anzeichen von Höhenkrankheit bemerkbar. Anderen geht es da noch schlechter und sie müssen sich heftig übergeben. Vom Parkplatz aus wandern wir mitten über die Wieden über die Ebene und bestaunen die Landschaft und die Pflanzen. Wir sind uns einig, dass dieser Landstrich so unwirklich erscheint, hier hätte auch „Herr der Ringe“ gedreht werden können.



Mit der Weiterfahrt nach Riobamba müssen wir noch etwas warten. Das lange Karneval-Wochenende geht gerade zu Ende und wie bei uns zuhause auch gibt es einen Rückreisestau. Die zweispurige Straße wurde eben mal in vierspurig Richtung Quito geändert. Leider müssen wir in die andere Richtung. Nach wilden Diskussionen mit der Polizei, da Richard einfach quer über die Straße durch den fließenden Verkehr gefahren ist um zu unserem Hotel zu kommen, gehen wir halt etwas früher Essen und starten dann erst nach 18 Uhr mit der Weiterfahrt.
Riobamba ist aber nur eine Zwischenstation. Schon früh morgens fahren wir nach Alsusi, um da in den Zug zu steigen, der zur Teufelsnase fährt. Normalerweise wäre dieser Zug in Riobamba losgefahren, aber ein Erdrutsch hat die Schienen zerstört und so können wir leider einen großen Teil der wohl landschaftlich sehr schönen Strecke nicht erleben. Wir steigen in Alausi ein und fahren etwa eine Stunde durch eine aber auch sehr schöne Schlucht bis zur Teufelsnase. Dort steigen wir dann aus und können etwas herumlaufen, geschäftstüchtige Einheimische stehen hier mit einem Grill und bieten kleine Leckereien an. Dann geht es auch schon wieder im Eiltempo zurück und wir machen uns wieder auf die lange Rückfahrt nach Riobamba. Von dort aus geht es weiter nach Banos.



Das Highlight von Banos sind die Thermalquellen, die ich aber nicht besuche. Bei leichten Regen starten wir zu einer Radtour auf einer Autostraße entlang einer Schlucht. Hier gibt es viele schöne Wasserfälle zu sehen. Aber es regnet halt, dann bricht auch noch einfach so meine Felge und der Autoverkehr ist auch nicht ohne. Ich bin also mäßig begeistert. Aber ich bekomme ein neues Rad, nach einiger Zeit wird der Verkehr weniger und der Regen hört auf, da gefällt es mir schon sehr viel besser. Am Zielpunkt angekommen steigen wir in die Schlucht hinab und bewundern den „Pailón del Diablo“, oder auch Teufelsbecken. Und in der Tat ist dieser schäumende Wasserfall sehr beeindruckend, allerdings fehlt mir anscheinend die Phantasie um in dem Felsen im Wasser ein Teufelsgesicht zu erkennen…



Die Räder haben wir abholen lassen und so fahren wir mit einer äußerst klapprigen und einfachen Seilbahn über die Schlucht. Auf der anderen Seite angekommen, freuen wir uns überlebt zu haben und wandern entlang verlassenen Obstplantagen zurück nach Banos. Das war sehr schön und entspannt und abends gibt es dann sogar Cocktails in einer Bar. Allerdings fällt uns dann aufeinmal ein, dass man in solch fremden Ländern ja kein Eis in den Getränken nehmen soll und wir pulen die Eiswürfel aus den Cocktails wieder raus und werfen sie auf die Straße. Ein Caipirina ohne Eis schmeckt ganz schön bescheiden.



Somit bin ich am nächsten morgen aber fit und kann die Wanderung mitmachen. Wir starten und kommen an einer Militärschule vorbei, in der gerade irgendetwas Wichtiges gefeiert wird. Die kleinen Knirpse stehen in Reih und Glied und bestaunen uns Zaungäste – anscheinend sind die Reden nicht so spannend. Dann geht es stetig bergauf bis zu einen Aussichtspunkt. Die Wanderung ist diesmal nicht so wirklich schön, wir laufen durch einige dunkle Wege in denen es vor Moskitos wimmelt und es liegt ganz schön viel Plastikmüll herum. Auf dem Rückweg kommen wir noch an dem Friedhof vorbei, das finde ich ja wieder spannend. Überirdische Familiengräber, Einzelgräber und alle hübsch mit Blumen und Jesuskarten dekoriert. Sie scheinen hier noch viel Besuch zu bekommen.


Nach einem Stopp in einen fragwürdigen Tourineppladen kommen wir am nächsten Mittag dann im Regenwald an. Von der Shangrila-Lodge aus hat man einen spektakulären Blick über den Fluss Anzu und den Regenwald, bis zu den Bergen der Anden. Unser Indioguide Alex führt uns durch den Regenwald und erklärt Pflanzen und einige Bräuche der Urwald-Indios, die Quichuas. So müssen Jungen in einem Alter von etwa 14 Jahren alleine ein Nest mit giftigen Wespen ausräumen und nachhause bringen Das soll dazu dienen, dass die Jungs sich später in schwierigen Situationen daran erinnern, was für einen Mut sie besitzen und besonnener reagieren. Und diese Balten Bräuche werden auch heute noch durchgeführt.



Wieder zurück in der Lodge erleben wir auf der Aussichts-terrasse einen wunderschönen Sonnenuntergang und am nächsten morgen nach einer lauten Nacht (wegen den Urwaldgeräuschen) einen ebenso schönen Sonnenaufgang. Es ist, als würde der Regenwald dampfen, so hängen die Nebelschwaden über den Bäumen.

Trotz der schwüle begeben wir uns auf eine weitere Wanderung durch eine Fledermaushöhle. Auf den Weg dorthin werden uns wieder etliche Pflanzen erklärt und welchen Zweck sie für die Regenwaldbewohner haben. So gibt es eine Wurzel, die so giftig ist, dass sie, wenn sie kleingehackt ins Wasser geworfen wird, alle Fische tötet. Die werden dann an der Wasseroberfläche aufgesammelt und können gegessen werden. Gleichzeitig kann diese Wurzel aber auch zur Behandlung von Hautkrankheiten verwendet werden. Oder wir probieren eine Guavefrucht frisch vom Baum – finde ich aber nicht so lecker, sie fühlt sich im Mund an wie ein nasses Meerschweinchen. Die Fledermaushöhle ist dann eher eine gaaanz schmale Felsspalte, durch die Wasser fließt und durch die wir uns durchquetschen. Übermäßig korpulent darf man hier nicht sein und dazu kommen uns auch tatsächlich lauter Fledermäuse entgegengeflogen.


Nach diesem schweißtreibenden Klettersteig bei etwa 100% Luftfeuchtigkeit relaxen wir den Nachmittag in einen der zahlreichen Hängematten um uns abends wieder einen tollen Sonnenuntergang anzuschauen.

Dann reisen wir am nächsten Morgen ein kurzes Stück weiter Richtung Misuahalli, wo uns ein Pickup abholen soll, um uns in das Indio-Projektdorf Caipirona zu bringen. Der Pickup kommt erstmal nicht und wir hängen etwas in Misuahalli rum und warten und amüsieren uns über die Affen auf dem Marktplatz. Ausgesprochen freche Biester! Dann endlich kommen zwei Pickups und nach einem Mittagessen fahren wir auf der Ladefläche in den Regenwald hinein. Nicht gerade sehr bequem, aber ein großer Spaß für mich. Auf einer Pickup-Ladefläche wollte ich schon immer mal fahren, die Einheimischen machen das hier schließlich alle. Nach etwas einer Stunde kommen wir an einen Fluß den wir in Gummistiefeln durchwaten müssen und ein Stück dahinter liegt dann das Projektdorf. Das wirkt sehr verlassen. Meine Theorie ist ja, dass die schlichtweg vergessen haben, dass wir kommen. Dann werden wir aber freundlich begrüßt und uns werden unsere Unterkünfte gezeigt. Die sind äußerst einfach, aber dennoch besser, als ich es hier mitten im Nirgendwo erwartet hätte. Aber trotzdem nicht Ungezieferfrei, und die Moskitonetze sind etwas klein und haben Löcher, die ich vergeblich mit Heftpflaster versuche zu stopfen. So werde ich nachts von Flöhen und Moskitos zerstochen und Doreen bekommt Besuch von Ratten, die sich über die Schokokekse in ihrem Rucksack hermachen.


Nach dem Frühstück am nächsten morgen (wieder einmal Bananen – diesmal gebraten…) starten wir mit Clemencia zu einer Tour durch den Dschungel. Sie zeigt uns noch einmal viele der einheimischen Pflanzen und deren Verwendung, aber auch wie aus Palmenblätter Dächer gebaut werden oder wie aus anderen Palmenblätter ein Versteck für die Jagd gebaut wird. Eigentlich wollten wir noch die Schule besuchen, aber der Lehrer ist nicht gekommen und so ist die Schule geschlossen. Das passiert hier halt mal, dass der Lehrer einfach nicht erscheint. Die Kinder lungern alle auf der Wieder vor der Schule herum und kommen schnell angelaufen, als wir Touristen erscheinen. Wir sind halt eine willkommene Abwechslung die bestaunt werden möchte. Wir laufen weiter durch den Schungel, in dem mir übrigens auch sehr schnell klar wird, warum man ihn auch die „grüne Hölle“ nennt. Gnadenlos heiß und feucht, abseits der Trampelpfade undurchdringbar und mit vielen kleinen Pflanzen und Tieren die oft nicht harmlos sind. Am Ende dieses Spazierganges wollen wir noch den Medizinmann besuchen, aber der ist auch nicht da. Erst bin ich ziemlich endtäuscht über die schlechte Vorbereitung, aber andererseits: Die Menschen sind hier halt so. Verbindliche Zusagen und Organisation kennen die hier nicht, sie leben in den Tag hinein und schauen was so passiert. Versucht man sie unter Druck zu setzen und ihnen Versprechen abzuringen, erreicht man eher das Gegenteil, da sie mit dem Druck nicht umgehen können. Und so wissen sie zwar Wochen im voraus dass eine Touristengruppe kommt, aber es hat keine Bedeutung.



Nachmittags üben wir noch etwas Blasrohrschießen, was gar nicht so einfach ist. Abends ist noch ein „Folkloreabend“ an dem für uns getanzt und gesungen wird. Anfangs finde ich es etwas beklemmend, dass für mich als Tourist die alten Kostüme und die Trommeln ausgepackt werden, aber dann bemerke ich, dass wir für die Indios genauso eine Attraktion sind wie die für uns. In diesem Dorf mitten im Urwald passiert ja sonst auch nie etwas. Aber jetzt wird Musik gemacht, alle tanzen und singen, es gibt Alkohol… Alle sind da und bestaunen die großen weißen Europäer und kichern über unsere für sie so unaussprechlichen Namen und wundern sich, dass wir so wenige oder gar keine Kinder haben. So gehen wir Touristen früher ins Bett als die Einheimischen, die feiern noch eine Weile weiter.


Am nächsten Morgen verabschieden wir uns aus dem Regenwald und fahren erstmal nach Papallacta. Dieser Ort ist an sich nicht wirklich spannend, hat aber einige heiße Quellen, in denen man wunderbar entspannen kann. Wir können von unserem Bungalow aus direkt in ein Becken mit heißem Quellwasser hüpfen, was wir auch ausgiebig machen. Nach den ganzen Schmuddeltagen im feuchtwarmen Regenwald eine pure Wohltat.

Am folgenden Mittag fahren wir dann nach Otavalo, einer Stadt im Hochland die berühmt ist für die Webkunst ihrer Einwohner. Die hier ansässigen Indios haben sich selbst erfolgreich organisiert und gehören angeblich mit zu den wohlhabendsten Indios Südamerikas. Aus den Weg nach Otavalo klappern wir noch einige kleine Shops an, was so geballt etwas nervig ist. Vor allem das Projekt der einheimischen schwarzen Bevölkerung besteht nur darin wortkarg eine Videocassette einzulegen und uns in den Verkaufsshop zu führen. Da kauft dann auch niemand etwas.

Wir fahren dann von Otavalo aus Richtung Norden in den El Angel Nationalpark, nahe der kolumbianischen Grenze. Hier erwartet uns eine sehr skurrile Landschaft mit Mönchspflanzen, deren Blätter mit einem weißen Pelz bewachsen sind und ganz kuschelig weich sind. Angeblich fluorizieren sie nachts im Mondlicht, das stell eich mir sehr abgefahren vor. Der Rundweg durch diesen NP heit „Der Weg des Herzens“, was nichts damit zu tun hat, dass er so lieblich ist. Vielmehr braucht man ein starkes Herz, das er so steil ist und aus sovielen Treppenstufen besteht und in so einer hohen Höhe liegt. Tiere sehen wir mal wieder leider keine und wir fahren zurück nach Otavalo.


Und am Samstag in Markttag in Otavalo. Was für ein Getümmel! Unmengen von Indios in Tracht drängen sich auf dem Lebensmittelmarkt in den Straßen. Wir schieben uns durch die Mengen und schauen einfach nur, was so alles angeboten wird. Ziel ist aber der etwas abseits gelegene Tiermarkt. Richard meinte eigentlich der lohne sich nicht, dem kann ich aber nur wiedersprechen. Absolut sehenswert! Hier wird alles angeboten was Fell oder Federn hat, quiekende Schweine werden über den Platz zum Pickup gezerrt, Hühner gackern, Hunde bellen. Und dann die Meerschweichen.. Frauen tragen sie in Körben herum und die potentiellen Käuderinnen drücken den quitschenden Schweinchen auf dem Bauch herum um zu testen, ob sie dick genug sind. Am liebsten würde ich eine Meerschweichenrettungsaktion starten und alle die ich bekommen kann aufkaufen und nach Deutschland bringen - meine Mitreisenden wollen aber nicht mitmachen. So muss ich sie ihrem Schicksal überlassen was sie unweigerlich auf den Grill führen wird…




Am Sonntag haben wir viel vor und starten früh. Bei traumhaften Sonnenschein fahren wir an Quito vorbei, haben beste Sicht auf den Cotopaxi und den Cayambe und besichtigen Ruinen aus der Vor-Inka Zeit. So viel ist dort aber nicht zu erkennen, aber trotzdem ganz interessant. Wir fahren weiter zum Mitat del Mundo, dem Äquatordenkmal. So sehr spannend ist das aber nicht und wir fahren 200 Meter weiter, zu dem neuen Äquatordenkmal. Die Jungs haben sich nämlich damals vermessen und nachdem GPS eingeführt wurde, hat man festgestellt der der wahre Äquator eigentlich 200 Meter daneben liegt. Das Museum ist sehr interessant, es werden mehrere kleine Versuche durchgeführt die die Eigenschaften des Äquators zeigen. Z.B. können Eier auf dem Kopf balancieren und Wasser fließt ohne Strudel aus einem Waschbecken. Und einem Meter daneben ist wieder alles wie gewohnt.


Dann fahren wir weiter nach Mindo, dem sogenannten Vogelparadies. Wieder erwartet uns eine hohe Luftfeuchtigkeit, da der Ort sich aber auf 1.300 Meter Höhe befindet, ist es nicht so warm. Hier können wir direkt am Hotel die ganzen Kolibris beobachten, die mit Zuckerwasser angelockt werden. Es gibt ganz viele verschiedene Arten und die ganz kleinen brummen wie kleine Hubschrauber um meinen Kopf herum. Wir machen eine kleine Wanderung durch diesen Nebelwald, der aufgrund der Feuchtigkeit und den vielen Flechten sehr verwunschen und mystisch wirkt.



Wir besuchen noch eine Schmetterlingsfarm mit vielen einheimischen bunten Schmetterlingen und machen eine Wanderung durch eine Schlucht zu einem Wasserfall. Nach dem Walderlebnis vom Vortag ist das aber eher undramatisch.
Dann steht uns eine lange Fahrt durch vielen Palmöl- und andere Plantagen an die Küste bevor. Hier wurde viel Regenwald abgeholzt um die Flächen landwirtschaftlich intensiv zu nutzen. Natürlich verstehe ich, dass das Land da in eine Klemme sitzt – die Leute hier sind arm und wllen Arbeit haben, von der sie Leben können, also wird dieser einmalge Regenwald abgeholzt. Ist die wunderbare Natur aber erstmal vernichtet kommen irgendwann auch keine Touristen mehr um sich diese anzuschauen – eine klassische Zwickmühle. Ich hoffe, das Ecuador da es schafft, die Balance zu halten.

Wir kommen in Cumilinche an, einem abgelegenen Strandresort in der Nähe von Atacames. Ein paar wunderschöne Cabanas auf einem großen Gelände verteilt, fast schon ist es etwas unheimlich. Einen Tag vergammeln wir komplett am Strand, liegen in Hängematten, lesen, gehen zwischendurch zur Bar und holen und einen Cocktail und schauen aufs Meer… Wunderschön. Der Pazifik ist hier zwar nicht so sehr zum baden geeignet und es gibt viele Mücken, aber dennoch genieße ich diese faule Zeit nach fast drei Wochen Programm.

Einen Vormittag machen wir noch einen Bootsausflug zu einem Vogelfelsen, der aber eher endtäuschend war. Die Vögel waren soweit weg dass man gar nicht erkennen konnte, was für welche es waren. Also wieder zurück nach Cumilinche und weiter entspannen.



Dann geht es nur wieder zurück nach Quito und zurück nach Hause. Eine schöne Reise die zwar ein paar Schwächen hatte, aber ein wunderbares Land das sehr sehenswert ist.
Reiseveranstalter: aventoura