Wandern in Irlands Westen
18.08. - 01.09.2007
Da dachte ich immer Irland liegt gleich nebenan und dann war ich aber doch 14 Stunden unterwegs. Erst von Hannover nach Düsseldorf, dort auf den Flieger warten. Ein kurzer Sprung hinüber nach Dublin, dort ewige Wege durch einen höchst chaotischen Flughafen um zur Gepäckausgabe zu kommen und noch mal 2 Stunden auf den Transfer warten. Dann 4 Stunden Busfahrt quer durch Irland inklusive Stau auf Dublins Autobahnen. Und es regnet. Ich denke mir: Es kann ja nur noch besser werden. Aber schließlich komme ich gegen 19 Uhr in Tourmakeady an, einen Dorf im County Mayo am Lough Mask. Und gleich ein weiter Blick auf grüne Weiden voller Schafe und auf den See, hach ist das schön. Der ganze Anreisestress hat sich schon gelohnt.


Kanutour
Am ersten Tag steht gleich eine Kanutour auf dem Lough Mask an. Auf Flüssen bin ich ja schon gepaddelt, aber ein See ist ja doch etwas ganz anderes. Ich bin total begeistert. Diese Ruhe, der weite Blick über den See, das ist für mich die totale Entschleunigung. Ich teile mir das Kanu mit Ralf und wir steuern gekonnt im Zickzack über den See und halten ständig an um irgendetwas zu fotografieren oder zu quatschen. Wir bummeln etwas hinter den anderen her, aber wir lassen uns nicht hetzen und genießen einfach den See.



Wir halten noch auf „Hawaii“ an, einer Insel mit Bäumen drauf, die von weiten etwas aussehen wie Palmen. Sind aber doch nur normale Bäume. Einige hartgesottene von uns gehen baden, das Wasser hat angeblich 16°C. Ich halte meine Füße rein, es fühlt sich eher wie höchstens 10 ° an, brr. Ich schaue nur zu.

Wandern
Durch diese Kanutour den Alltag schon völlig entrückt gehen wir den nächsten Tag wandern. Erst durch grüne Wiesen mit vielen Schafen drauf, dann geht es in das Hochmoor, in dem es auch viele Schafe gibt. Schon nach zwei Tagen kann ich sagen, dass ich noch nie in meinem Leben so viele Schafe gesehen habe. Es war die letzten Tage etwas regnerisch und so ist der kleine Bachlauf, der immer den Weg kreuzt, ziemlich angeschwollen. Erst stehen wir etwas ratlos da, dann ziehen wir Wanderstiefeln und Strümpfe aus und waten mit hochgekrempelten Hosenbeinen durch das Wasser. Es kommen auch alle trocken auf der anderen Seite an, auch wenn es manchmal etwas knapp war...


Oben im Hochmoor lernen wir dann das wechselhafte irische Wetter kennen: Hatte gerade noch die Sonne durch die Wolken geschaut fängt es auf einmal fürchterlich an zu regnen. Wir stehen da und überlegen ob wir weitergehen, schließlich werden wir mitten im Moor keine Möglichkeit haben uns unter zu stellen. Wir beschließen nur mal kurz um die Ecke zu gehen und zu gucken wie es da aussieht, da hört es auch schon wieder auf zu regnen. „Der Ausspruch „der Wetterbericht hält war er verspricht, nämlich das kein Verlaß auf ihn ist“ wird mich diesen Urlaub noch weiter begleiten...


Abend ist der Himmel auch wieder ganz klar. Und auch wenn es fürchterlich kalt ist, gehen wir hinunter an den See und genießen die Abendstimmung am Seeufer. Die Fischerboote sind an Land geholt, hier und da liegt der Duft von Torffeuer in der Luft, es ist wunderschön. Darauf müssen wir dann im Pub ein Bier trinken.

Von Barbara, der Pubwirtin, bekommen wir dann noch eine kurze Einweisung in drei irische Tänze. Am nächsten Abend kommt eine Liveband und es wird im Pub getanzt, da möchten wir deutschen Touristen natürlich gerne mitmachen können. Der Abend selbst wird dann auch ein großer Erfolg. Nachdem wir beim Tanzunterricht kreuz und quer durch die Gegend gestolpert sind saßen wir startbereit im Pub und haben erst mal den Walzer und Foxtrott abgewartet. Irgendwann kamen dann die irischen Tänze, Martin sprang bei jedem Lied auf und rief „das ist unser Lied!“ und wir stürmten die Tanzfläche. Einmal kannten wir den Tanz dann doch nicht, aber eingekesselt zwischen den tanzenden Iren haben wir es geschafft zumindest immer die richtige Richtung hinzubekommen.



Die Pubabende waren immer sehr lustig, in so einem untouristischen Ort wie Tourmakeady bekommt man hier noch richtiges irisches Leben mit. Ob es Tanzabende sind, Livesessions mit Fiedlern und traurigen Balladen oder Ehe-Dramen die in der ganzen Familie ausdiskutiert werden. Das war für mich ein ganz wesentlicher Teil dieser Reise.
Galway
Wir fahren nach Galway, der zweitgrößten Stadt Irlands mit 50.000 Einwohnern. Unsere Reiseleiterin Kerstin zeigt uns etwas die Stadt, vor allem die Kirchen finde ich ja wieder sehr interessant. Das ist alles so katholisch hier. Danach laufe ich noch etwas durch die Einkaufsmeile, das sind hier lauter kleine Geschäfte mit ganz bunt angemalten Fassaden. Meistens sind die Häuser auch mit wunderschönen bunten Blumen dekoriert, so was finde ich immer toll. Galway ist eine sehr nette und beschauliche Stadt und mir fällt auf, das die Iren auch einen sehr trendigen und eigenen Kleidungsstil haben. Also überhaupt nicht so hinterwäldlerisch wie man immer denkt. Abends gehen wir auch noch in einen Pub mit Live Musik, aber an die Pubabende in Tourmakeady kommt das nicht ran, hier ist alles viel touristischer. Inklusive den Studiosus-Reisegruppen, die auf ganz ernst und konzentriert auf ihrer Bank sitzen und meinen, sie erfahren hier irische Kultur. Wenn die wüssten...





An meinen freien Tag scheint die ganze Zeit die Sonne. Oh Wunder. Ich setze mich etwas an den See und genieße die Aussicht und fahre dann mit dem Fahrrad durch die Gegend und fotografiere alte irische Cottages. Davon gibt es gar nicht mehr so viele, die irische Wirtschaft brummt und man sieht überall Neubauten, die eher aussehen wie aus der USA importiert. Schade eigentlich. Dann setze ich mich noch vor den kleinen Dorfsupermarkt und trinke eine Cola. Da dieser Laden, Supermarkt, Pub, Post und Tankstelle in einem ist, kommt hier im Minutentakt ein Auto vorgefahren da die Dorfbewohner noch mal schnell was erledigen wollen. Und mit der Verkäuferin wird natürlich der neueste Klatsch ausgetauscht.


Achill Island
Dann fahren wir nach Achill Island in den Norden. Die Insel soll eine fantastische Steilküste haben, von der wir wegen dichten Nebel leider nur schemenhaft etwas sehen. Ansonsten erscheint mir die Landschaft hier sehr karg, ich brauche etwas um mich daran zu gewöhnen. Wir machen dann halt an einer Badebucht und es ist unglaublich wie blau hier der Atlantik ist. Wir steigen auf einen Berghang, der auf der anderen Seite quasi abbricht und auch eine Steilküste bietet ;-) Der Blick über die Bucht und die Insel ist traumhaft, hier lassen die Wolken noch eine relativ freie Aussicht zu.



Wir besuchen zum Abschluss dann noch ein verlassenes Dorf, das es schon zu Zeiten der großen Hungersnot gab, von dem heute aber nur noch Ruinen stehen. Zwischen denen kann man aber ungehindert herumklettern. Kaum zu glauben dass in diesen winzigen Steinhütten früher ganz Familien mit ihrem Vieh gelebt haben.

Der letzte Ausflug dieser Woche geht mit dem Fahrrad zu einer sehr alten Abbey, dessen Namen ich leider wieder vergessen habe. Auf jeden Fall hat hier Pierce Brosnan geheiratet. Wir radeln über kleine Feldwege zwischen Schafweiden und blühenden Heidewiesen hindurch und genießen dass schöne Wetter und die Landschaft. Radfahren in Irland ist gar nicht so anstrengend, die Straßen haben gar nicht so eine große Steigung. Die Abbey ist sehr schön, sie ist von innen eher schlicht, was aber für mich einen besonderen Reiz ausmacht.



Auf dem Rückweg kehren wir noch bei der „Holländerin“ ein, das ist halt eine Holländerin die vor Jahren einen Iren geheiratet hat und jetzt in ihrem Garten Kuchen und Tee anbietet. Sehr lecker! Ich habe mir ja die Aufgabe gestellt, herauszufinden, wo es den leckersten Apfelkuchen gibt. Mit dem Kochen ist das in Irland ein heikle Angelegenheit, da liegen die Iren manchmal ganz schön daneben. Aber backen können die richtig gut!

Woche 2: Wandern in Connemara und Burren
Meine zweite Woche beginnt damit, dass ich schweren Herzen meine liebgewonnen Reisebegleiter verabschieden muss, denn ich bin die einzige die als Verlängerung noch die Wanderwoche gebucht hat. Ich werde nach Cong gefahren, wo diese startet.
Da ich dort noch den halben Tag Zeit habe, schaue ich mir noch das Ashford Castle an (hier hat Pierce Brosnan seine Hochzeit gefeiert...) und schlender etwas durch das Örtchen. Das Schloss ist ganz nett und sehr gewaltig, beeindruckt mich jetzt aber nicht sooo sehr. Heute ist da ein Luxushotel drin, so dass ich mit meinen Wanderklamotten gar nicht erst versuche hinein zu kommen. Cong selbst ist sehr nett, man kann eigentlich nur einmal um das Carré laufen und bekommt lauter kleine Häuschen wie aus dem Bilderbuch zu sehen.


Mount Gable
Nachdem ich am Abend vorher meine neue Reisegruppe kennengelernt habe, starten wir gleich morgens unsere erste Wanderung auf den Mount Gable. Der Berg ist aber gar nicht soo hoch und bietet fantastische Ausblicke auf den Lough Corrib. In diesem befinden sich über 300 kleine Inseln und es gibt eine sehr rührende Geschichte dazu: An diesem See lebte ein Fischer mit seiner Frau. Eines Tages für er mal wieder auf den See hinaus um Fische zu fangen, da kam ein fürchterliches Unwetter auf. Dieses Unwetter war wirklich sehr schlimm und als danach der Fischer nicht wieder zurück kam, befürchtete seine Frau schon das schlimmste. Als er nach mehreren Tagen immer noch nicht wieder da war, wurde der Frau klar, dass de See sich ihren Mann genommen hatte und sie weinte einen ganzen Tag. Danach weinte sie ein Jahr lang jeden Tag noch eine Träne, und aus jeder dieser Tränen ist eine Insel geworden.



Nachdem wir an leckeren Brombeerbüschen vorbei wieder den Berg hinabgestiegen sind, laufen wir nach Clonbur und kommen noch an einer alten verfallenen Kirchenruine vorbei. Die steht da einfach am Ortsrand und verfällt, und niemand kümmert sich drum. Eigentlich schade.

Ein irischer Fjord
Am nächsten Tag werden wir dann zur Clew Bay gefahren, um an Irlands einzigen Fjord entlang bis nach Leenaun zu wandern. Hier haben wir keine größeren Höhenunterschiede zu bewältigen, aber zum Schluss ziehen sich die 18 km doch ganz schön... Ich schaue mich beim wandern immer wieder um und harter etwas mit der kargen Landschaft. Dies soll das Irland sein, von dem alle so schwärmen? Die Berghänge bestehen aus Felsen, die nur mit einer dünnen Grasschicht bedeckt sind, hier und da mal ein Busch oder ein kleiner krüppeliger Baum, dazu das raue Klima und der stetige Wind... So wirklich begeistert mich das je erst mal nicht. Aber gegen Ende der Wanderung schaue ich mich doch immer wieder um und ich bemerke die klare Luft und den weiten Blick, und da finde ich es doch sehr schön. Manchmal muss sich diese Landschaft einem doch erst erschließen.



Am Ziel angekommen sind wir dann sogar zu kaputt um uns noch das Schafsmuseum anzugucken. Wir sitzen im Pub, der auch gleich wieder Supermarkt und Tankstelle ist. Hier finde ich es schon bemerkenswert dass die Pubgäste draußen neben den Zapfsäulen sitzen und zu ihrem Kaffe noch eine Zigarette rauchen... Ich halte lieber etwas Abstand.



Leenaun Hill
Am nächsten Morgen geht es dann hinauf auf den Leenaun Hill, der eigentlich eher ein Berg als ein Hügel ist. Laut Karte nur 518 Hm, aber was für welche... Wie überall gibt es keine befestigten Wanderwege, wir laufen direkt über die Wiesen. Da alles moorig ist, gibt der Boden mit jeden Schritt nach und manchmal reißt auch die Grasnabe auf und man rutscht Weg. Und ganz schön steil ist dieser „Hill“ auch noch, wir können nur im Zickzack hinauf laufen. Ich bin beim Aufstieg ganz schön am fluchen und frage mich keuchend, warum ich mir das eigentlich antue. Aber oben angekommen drehe ich mich um, habe einen fantastischen Blick über die umgebende Landschaft, auf den Fjord und den Connemara NP mit den 12 Pins, und alle Quälerei ist mit einem Mal vergessen. Ist das toll!!!



Wir laufen dann noch ein Stück den Kammweg entlang mit moderaten auf und ab, bevor wir wieder einen sehr steilen Abstieg bewältigen. Auch hier können wir nur im Zickzack hinunter, da es so steil und glitschig ist und die Schafe laufen aufgeregt blökend vor uns weg. Aber ich bin von diesem Ausblick auf dem Berg immer noch ganz berauscht und bekomme das so im Detail gar nicht mit.
Die Insel der schweigenden Steine
Und dann geht es am nächsten Morgen mit der Fähre hinüber nach Inishmore, einer der Aran-Islands. Da hatte ich mich die ganze Woche schon drauf gefreut. Diese Insel besteht fast nur aus Stein und es gibt ganz schaurige Geschichte, wie die Menschen hier früher gelebt haben. Sie haben von der ganzen Insel Muttererde zusammengetragen, um sich damit ein klägliches Feld anzulegen. War nicht genug Erde vorhanden, wurde auch mit Algen aus dem Meer aufgefüllt. Darauf haben sie dann Kartoffeln angepflanzt. Kein Wunder, dass der Name Inishmore übersetzt „die Insel der schweigenden Steine“ heißt.


Wir laufen ein ganzes Stück durch diese unwirkliche Landschaft. Die Sonne scheint, der Wind weht, links und rechts von uns sehen wir das Meer, es ist einfach toll. Unsere Mittagspause nehmen wir an der Steilküste mit Blick auf das Meer ein, ich könnte den Rest des Tages hier sitzen bleiben. Aber wir laufen weiter, zu dem Fort Dun Aengus, einem alten Ringfort, dass direkt an die 80 m hohe Steilküste gebaut wurde. So konnte vom Meer her schon mal niemand angreifen, und sollte das Fort von feindlichen Gruppen gestürmt werden, können die Menschen in das Meer springen. Das war wohl besser als besiegt zu werden. Obwohl ich mich wirklich frage wer diese karge Insel einnehmen wollte und vor allem warum? Hier gab es doch nichts zu holen!


Vom Hotel aus laufe ich noch ein Stück die Küste entlang zum Hafen. Da liegen alte Kutter, die doch bestimmt nicht mehr hinausfahren. Aber das Meer ist sagenhaft klar und blau, wäre es nicht so furchtbar kalt könnte ich denken, ich wäre in der Südsee.

Cliffs of Moher
Und nun zu Irlands touristischen Hot Spot: Die Cliffs of Moher. Ich glaube sofort, dass dieser Ort die meisten Touris anzieht, so viele wie hier habe ich nirgendwo in Irland gesehen. Und dann noch alle auf einem Haufen. Dieses Jahr ist ein riesigen Touristencenter gebaut worden, das aber zugegebenermaßen ganz gut in die Landschaft integriert wurde. Aber entlang der Cliffs sind überall Absperrungen gebaut worden, man kommt gar nicht mehr direkt an die Kante heran. Es sei denn man verlässt verbotenerweise die befestigten Wege und läuft ein Stück einen Trampelpfad entlang. Was ich natürlich auch mache. Ich setze mich etwas an den Rand, schaue den Seevögeln nach, die weiter unten in den Felsen leben und lasse die Szenerie einfach auf mich wirken. Ist schon toll.



Und abends im örtlichen Pub in Lisdonnvarna gibt es wieder richtig schöne Live Musik. Ein super Abschluss für den Tag.

Burren: “No tree to hang an man“…
… soll General Cromwell einst gesagt haben, als er diese Gegend sah. Dabei gibt es in den Tälern durchaus Bäume, aber sowie man auch nur etwas höher kommt, gibt es wieder nur Felsen und etwas Gras. Und Blumen und Steinmauern natürlich. Wir besichtigen noch ein altes Dorf und ein Dolengrab, bevor wir unsere Wanderung starten. Heute haben wir mal nicht so gutes Wetter, es nieselt ziemlich. Damit bekommen wir noch mal das typische Irland Wetter ab (einen „Soft Day“ nennen die Iren das) Die Blumenmeere sind fantastisch, und zum Schluss kehren wir wieder in einen Pub ein und ich esse einen letzten Apfelkuchen und trinke einen letzten Irish Coffey.



Fazit: Irland ist teilweise so, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Mit grünen, satten Wiesen, tausenden von Schafen und beschaulichen Landleben und lustigen Pubabenden. Aber andererseits ist diese Insel auch so karg und rau, wie ich es nicht erwartet hätte. Wenn man aber diese Eindrücke etwas auf sich wirken lässt ist es überall wunderschön. Manchmal halt nur auf eine andere Art und weise.
Und den besten Apfelkuchen gibt es übrigens in Tourmakeady im Maire Lukes: Warmer Apple Crumble mit Sahne und Vanille Soße, Mmmhhh... unschlagbar!
Reiseveranstalter: Highländer Reisen